Ihre Wurstfinger auf meinem Klingelknopf: nicht gut.



Bevor der eigentliche Text beginnt, möchte ich gerne einen bedeutungsschwangeren Satz vorwegschieben. Diesen soll man sich mit tiefer Stimme und Echoeffekt vorstellen: Okay, es geht los. Echo … „Du benützt das INTERRRNÄT und ebenso benützt das INTERRRNÄT dich. Es ist ein TAUSCHGESCHÄÄÄFT.“

/ Eines Tages klingelte es an meiner Haustür: Dingdong. „Mama, da ist ein Mann vor unserer Tür.“ „Wenns die Zeugen Jehovas sind, sag, ich bin nicht da.“ „Nein. Er sagt, er kommt von der Elle.“ „Von der was?“ „Von der Elle … Er hat gesagt, das ist eine Zeitung oder so.“ „Und was will er?“ „Er sagt, er hat Tipps für dich.“ „Was denn für Tipps?“ „­Welche Früchte Fatburner sind …“ „Sag ihm, ich wieg ein bisschen über 50 Kilo und bin mehr als ein Meter groß, also …“
/ Tag 2: Dingdong. „Mama, der Mann ist wieder da.“ „Wie? Echt jetzt?“ „Er will dir das ­Horoskop sagen …“ „Okay … sag ihm … ähm … sag ihm, ich habe kein Sternzeichen …“
/ Tag 3: Dingdong. „Mama …“ „Lass mich raten, der Mann von der Elle …“ „Ja, und er würde dir helfen können mit eitrigen Pickeln und schwarzen Mitessern …“ „Verdammt nochmal …woher weiß er … ach egal. Sag ihm, er wird langsam lästig.“
/ Tag 4: Dingdong. „Wenns der Mann von der Elle ist, sag ihm, ich bin nicht da.“ „Er sagt aber, er kann dir was Spannendes erzählen.“ „Aha!“ „Elf Dinge, die passieren …“ „Wie, elf Dinge, die passieren …?“ „Ja, elf Dinge.“ „Und was für elf Dinge?“ „Das sagt er erst, wenn er rein­kommen darf.“ „Sag ihm, er soll sich seine spannende Geschichte dahinschieben, wo es ihm Freude bereitet …“ „Mama …“ „Los, sags!“
/ Tag 5: Dingdong. (…) „Er will mit dir über rote Haare sprechen.“
/ Tag 6: Dingdong. (…) „Er sagt, er hat richtig gute Beauty-Tipps – fünf Stück.“ (…)
/ Tag 7: Dingdong. (…) „Er will dir die coolsten Sneaker zeigen.“ (…)
/ Tag 8: Dingdong. (…) „Jetzt möchte er nochmal über Sternzeichen sprechen.“ (…)
/ Tag 9: Dingdong. (…) „Topthema: Trendfrisur, sagt er.“
/ Tag 10: Dingdong. (…) „Jetzt wieder Horoskop, diesmal was mit nachts …“
/ Tag 11: Dingdong. (…) „Rückenfett loswerden …“
/ Tag 12: Dingdong. (…) „Gemüse: gut zum … und lecker auch noch …“

/ Tag 13: Dingdong. „Maaama, er ist wieder da.“ „Was jetzt? Will er vielleicht hier ein­ziehen, der Herr Supertipps, dann spart er sich die Anreise?“ „Ne, er meint, diesmal würde es dich ­bestimmt interessieren.“ „Da bin ich aber gespannt …“ „Irgendwas mit deinen Hängebrüsten …“ „What???!!“ „Ja, damit die nicht mehr so hängen … Tipps halt.“ „Okay, sag ihm, von meinen 52 Kilo kann er noch 1 Kilo für Silikon abziehen und ich habe erfreulicherweise demnach keine Probleme derlei Art.“

(…)

„Er sagt, in seinen Unterlagen steht was anderes …“

„So jetzt reichts. Du sagst ihm jetzt Folgendes:

Wie kommt es überhaupt, dass er mich auf seiner Liste hat? Wie konnte das passieren? Nein, echt. Ich will es jetzt wirklich wissen. Wo hab ich ­draufgeklickt, wo hab ich zugestimmt, was hab ich unterschrieben, welche Daten sind da wohin geflossen und warum steht immer nur ER vor der Tür und niemand anderes?

Warum? Waaaaaaaarum?

Sag ihm, seine Unterlagen sind dumm. Sie enthalten dumme Informationen, die keinerlei Relevanz für mein Leben besitzen. Seine Tipps öden mich an. Er kennt mich nicht.

Frag ihn mal, ob vielleicht in seinen Akten schon steht, dass ich

wenden, wenn man sie ein bisschen aufzupft? Jaaaa, aber daaaas weiß er natürlich nicht, der Herr …
Und richte ihm aus: Wenn er mich weiterhin ausspioniert und meine Privatsphäre stört, wird er von meinen Anwälten (achte auf die Mehrzahl, du musst Anwälte sagen) recht zügig eine einstweilige Verfügung zugestellt bekommen. Die kann er dann im Abstand von 50 Metern in seinem dummen Aktenkoffer herumtragen, wenn er will.“

„Ähm, äh … was?“

„Sag ihm einfach. Morgen werden elf schreckliche Dinge passieren, wenn er hier aufkreuzt.“ „Was für Dinge?“ „Das wird er erfahren, wenn er nochmal meinen Klingelknopf wurstfingert.“

AUTORIN / STEFI WALKENFORT