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B2B Magazin 01 2016

45 FINDEN, FESTHALTEN, loslassen Jazztrompeter Joo Kraus erzählt, wie man zusammen spielt, wenn gleichzeitig niemand und jeder das Sagen hat. Joo Kraus, Jazztrompeter aus Ulm. Grammy-Nominierung, zahlreiche German Jazz Awards, einen ECHO. Nach einer erfolgreichen Zeit mit Tab Two zahlreiche Soloalben: Public Jazz Lounge, Basic Jazz Lounge, Sueño, Songs from Neverland und Painting Pop. Dazu viele Projekte mit anderen Künstlern wie das Album Public Jazz Society mit der SWR Big Band oder Jog, das er zusammen mit Omar Sosa eingespielt hat. Aktuell spielt er viel mit seinem Trio Tales in Tones. So vielseitig wie sein Repertoire sind auch die musikalischen Einflüsse, die ihn geprägt haben: Earth, Wind & Fire, Duško Gojkovi´c, Chet Baker, Robert Glasper, Freddy Hubbard und Jo Mikovich. CopyrightChrisMarquardt JOO, WIE FUNKTIONIERT DAS ZUSAMMENSPIEL IM JAZZ? JK_ Ich spiele gerne mit Leuten, die offen sind und die vor allem auch frei spielen können. Improvisation ist immer ein wichtiger Aspekt. Dass man nicht nur an Noten gebunden ist. Und dann ist es natürlich so, dass man manchmal einfach hergeht und nicht weiß, was passiert, und trotzdem einfach anfängt zu spielen. DAS HEISST, JEDER SPIELT IRGENDWIE DRAUFLOS? JK_ Nein. Man hat schon eine Struktur. Zum Beispiel ein Thema, das sich auch mehr oder weniger immer durch ein Stück zieht. Darüber improvisiert man, um dann irgendwann wieder zu diesem Thema zurückzukommen. Du fühlst dich nie verloren, du weißt, du kannst immer zum Thema zurückkommen, aber du spielst eigentlich immer frei. BRAUCHT ES DENN SO ETWAS WIE EINEN BANDLEADER? JK_ Das kommt darauf an. Beim klassischen Orchester braucht es einen klaren Bandleader, der auch eindeutig die Kommandos gibt. Bei einem Jazzensemble braucht es zwar eine Art Leader, aber es muss nicht eine bestimmte Person sein. Wenn der Saxophonist das Thema oder ein Solo spielt, dann führt er in dem Moment, und dann muss jemand anders aus dem Ensemble die Führung über- nehmen. Es kann im Verlauf des Stücks sein, dass da fünf ver- schiedene Bandleader drin waren. ALSO EIN ROLLENTAUSCH INNERHALB EINES STÜCKS? JK_ Total. Du gibst die Führung ab, ein anderer übernimmt und irgendwann bist wieder du an der Reihe. Man kommuniziert das einfach nonverbal, mit Zeichensprache. Da reichen Minizeichen, sogar in der Musik. Es ist eigentlich unfassbar, wie viel und wie gut man da kommuniziert, ohne dass es einem so richtig bewusst ist. BEVORZUGST DU LIEBER DIE BIG BAND ODER DAS KLEINE ENSEMBLE? JK_ Ich bin da immer hin- und hergerissen. Die Wucht, der Sound und die Farbenvielfalt einer Big Band sind schon etwas ganz Besonderes. Aber so eine kleine Band ist auch etwas Schönes und kann einen viel unmittelbarer berühren. WIE STARK FÄRBT DENN DEINE ARBEIT AUF DICH ALS PRIVATPERSON AB? JK_ Sie beeinflusst total. Gerade diese Art zu spielen überträgt sich auch auf das wirkliche Leben. Das Leben besteht sowieso zu über 50 % aus Improvisieren, weil man immer auf neue, unvorher­ gesehene Situationen reagieren muss. Ich merke schon, auch bei meinen Jazzkollegen, dass sie alle im Kopf sehr flexibel sind. INTERVIEWER \ Gabriel Vocasek

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