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B2B Magazin 01 2016

43 KLARE ANSAGEN aufAugenhöhe Extrembergsteiger Hans Kammerlander über die Hierarchie am Berg. Hans Kammerlander, geboren 1956, ist Extrembergsteiger. Er bestieg mit acht Jahren seinen ersten Berg und absolvierte bis heute rund 2.500 Klettertouren, darunter 50 Erstbegehungen. Sein Aufstieg zum Gipfel des Everest über die Nordwand in 16 Stunden und 40 Minuten ist bis heute der schnellste. HERR KAMMERLANDER, WIE FUNKTIONIERT DIE ZUSAMMENARBEIT BEI BERG- STEIGERN? HK_ Wir haben zwar klare, aber ganz flache Hierarchien. Das grün- det sich auf langjährige Erfahrung. Man sucht sich die geeigneten Leute für ein bestimmtes Projekt. Jeder muss das gleiche Ziel vor Augen haben. Nur so können Gefahren gemieden und das Rest­ risiko, das doch immer bestehen bleibt, minimiert werden. WARUM FUNKTIONIERT IHR STRUKTURKONZEPT GUT? WAS SIND DIE VORTEILE? HK_ Vielen Mitarbeitern bringt Motivation mehr als strenge Hierar- chie. Verantwortung abgeben und auch mal ein Lob aussprechen ist sehr wichtig. Wenn ich den Träger lobe, der von weit her Wasser bringt, freut er sich und spürt, dass auch er ein Teil des Teams ist. Das ist Balsam für die Seele auf beiden Seiten. FUNKTIONIERT DER ABLAUF IMMER REIBUNGSLOS? HK_ Manche möchten die Grenzen schon testen. Dann muss man ein klares Wort mit ihnen sprechen. Man muss aber immer mit Tatsachen argumentieren und nicht einfach Druck aufbauen. Ich spreche immer direkt mit den Leuten, das funktioniert meist am besten. Sich hinterher zu beschweren bringt ja nichts. IST BERGSTEIGEN IM SPEZIELLEN EHER ETWAS FÜR EINZELKÄMPFER ODER EHER FÜR TEAMPLAYER? HK_ Auch im Team ist jeder ein Stück weit Einzelkämpfer. Jemand, der darauf angewiesen ist, immer Leute um sich herum zu haben, sollte lieber wandern als bergsteigen. Man muss sich einfach selbst vertrauen können. So entspannt, wie ein Kind auf einen Baum steigt, muss man auch den Berg angehen, sonst wird jeder Schritt gefährlich. WIE IST EIN TEAM AM BERG ORGANISIERT? HK_ Jeder kennt genau seine Aufgabe. Jeder hat sein Spezialgebiet: der eine beim Eisklettern, der andere im Fels. Je nach Strecken- abschnitt geht derjenige dann voran. Darüber muss man nicht diskutieren und es gibt auch keinen Neid untereinander. Im Ge- genteil: Es herrscht gegenseitige Anerkennung. WIE SCHWIERIG IST ES, ENTSCHEIDUNGEN ZU TREFFEN, DIE GRAVIERENDE KONSEQUENZEN HABEN KÖNNEN? HK_ Das ist nicht leicht. Besonders in jungen Jahren ist der Ehrgeiz groß und vor allem das Umkehren vor dem Ziel muss man lernen, sich eingestehen, wenn man die Kontrolle über eine Situation ver- lieren könnte. Entscheidungen haben am Berg ganz unmittelbare Konsequenzen. Dennoch darf kein Platz für Zweifel sein. Das macht es vielleicht am schwierigsten. INTERVIEWER \ Martin Brunner

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