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B2B Magazin 01 2016

30 interview Was müsste sich intern in Agenturen verändern, um eine neue Rolle in der Zusammen- arbeit mit Unternehmen zu ermöglichen? TM_ Die Bezahlmodelle sind natürlich ein Riesenthema – und wieder ein ganz anderes Feld. Hier sehe ich die Unternehmen in der Pflicht. Das Flatrate- Einkaufen von Agenturleistung ist weder inspirierend noch motivierend. Und wer glaubt, Kreativ-Konzepte und Ideen nach Stundenaufwand zum billigsten Tarif beschaffen zu können, wird das volle Engagement und das Potenzial der Agentur nicht ausschöpfen. Leider haben es auch die Agenturen es bis heute nicht geschafft, neue Modelle zu entwickeln. Hinzu kommt: Wenn ein Unternehmen heute einen Internetauftritt bei fünf Agenturen an- fragt, erhält es unter Umständen eine Preisspanne von 5.000 E bis 50.000 E. Das führt auf der Auftraggeberseite zu Verunsicherung. Interessanterweise entdecke ich als alter und begeisterter Agenturmann noch eine weitere Veränderung: Viele Agenturchefs wollen keine „Werber“ mehr sein. Und viele Manager auf Kundenseite haben eine große Distanz zu Werbeagenturen und zur Werbung generell. Da begegnen mir Technokraten, geschult, drei Sprachen fließend sprechend, vier Managementmodelle im Kopf – aber es fehlt die Begeisterung. Die Begeisterung für Ideen, norm­ brechende Kampagnen, emotionale Geschichten – halt Werbung. Jetzt mag eine Entidealisierung auf der einen Seite ja auch ganz gut sein, aber Intuition, Idealismus, die Haltung, gemeinsam etwas „Verrücktes“ und Einmaliges machen zu wollen, sind der beste Treibstoff für gute Werbung. Müssen Agenturen und Unternehmen langfristig zusammenarbeiten, um eine gemein- same Ebene zu finden und gemeinsam etwas „Verrücktes“ machen zu wollen? TM_ Ich kenne aktuell einen Fall, da hat eine Agentur es geschafft, mit ihrem größten Kunden einen langfristigen Vertrag zu schließen und sehr eng mit ihm zu kooperieren. Daraus entstanden Bindung und natürlich Vertrauen. Ein Kunde aber, der Abhängigkeit und Nähe scheut, wird in Bezug auf die Agenturen vermutlich sagen: „Die dürfen nicht zu eng eingebunden sein, wir müssen das immer wieder überprüfen und pitchen lassen, die dürfen sich nie zu sicher fühlen.“ Eine gemeinsame Ebene findet man nur über Bindung. Daraus entsteht Vertrauen in die Kompetenz des jeweils anderen. Es muss gar nicht immer um die langfristige Zusammenarbeit gehen. Es würde schon mal reichen, wenn man sich aufeinander einlässt und wirklich mit­ einander an einem gemeinsamen Ziel arbeitet – sei es auch nur für ein halbes Jahr oder für ein Jahr. Wenn es dann noch entsprechend fair bezahlt wird, sollte für die Agentur alles in Ordnung sein.

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