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B2B Magazin 01 2016

25 Erstens: das Tempo. Wie bereits erwähnt, sind Schnelligkeit und Flexibilität die Schlagworte. Wer schnell ist, scheint das Spiel zu gewinnen, wer dazu noch flexibel ist, dem kann nichts miss- lingen – aber ist das wirklich so? Mal abgesehen davon, dass Flexibilität ein inflationär benutzter, überaus schwammiger Begriff ist. Wie unterscheidet man einen flexiblen Menschen in der Arbeitswelt ganz genau von einem unflexiblen? Und wo steckt der überlegene Vorteil des Flexiblen gegenüber dem Unflexiblen? Aber zurück zur Schnelligkeit: Wettbewerb ist Wettlauf, aber nicht nur in Sachen Geschwindigkeit, sondern auch in Sachen Qualität. Manchmal wird vor lauter Schnelligkeit die Qualität vergessen. Qualität im Sinne von Nutzen, Nachhaltigkeit, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit. Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Ideen müssen reifen, erst in Frage gestellt, dann weiterentwickelt werden. ­Natürlich kann man an einem Tag zig Ideen produzieren. Aber erst nach zig Tagen merkt man, welche Idee Substanz hat, wo ein echter Mehrwert steckt. Menschen brauchen Zeit zusammen, ­­ um wirklich auch zusammenzuarbeiten. Eine Tatsache, der die neuen Arbeitsformen der digitalen Unternehmen und Start-ups geradezu meisterhaft gerecht werden. Hier wird für eine Konzen- tration von Zeit und Menschen gesorgt. An einem Ort, übrigens. Der ebenfalls eine bedeutende Rolle spielt. Unbenommen davon ist es zweifellos wünschenswert und ein Fortschritt, wenn die ­Arbeitgeber flexiblere Anwesenheiten ermöglichen. Noch ein digitaler Trend aus der modernen Arbeitswelt: Büro- nomaden. Unabhängige Freigeister, deren Arbeit sich mehr und mehr vom Schreibtisch in den virtuellen Raum verlagert. Aktuell wird Daimler-Benz in der Presse als Vorreiter gefeiert. Oder feiert sich, von der Presseabteilung gepusht, selbst. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat seinen Mitarbeitern versprochen: „Ich will die Arbeit für euch schöner machen!“ Künftig dürfen sie zu Hause, im Café oder im Park arbeiten. Bereits erwähnte Cloud und mobile Endge- räte machen es möglich. Und ermöglichen noch flexiblere Arbeits- zeiten. Immer mehr Menschen sind immer online und jederzeit und überall fähig zu arbeiten. Der klassische Nine-to-five-Job ist Vergangenheit, die feste Lebensarbeitszeit ebenfalls. Und das nicht nur, weil das Pensionsalter dann höher liegen wird. Trendforscher gehen davon aus, dass flexible, individualisierte Arbeits- und Lebens- modelle mit einer Vielzahl von Teilzeit- und Auszeit-Modellen für immer breitere Gruppen zur Realität werden. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden verschwimmen. In Zukunft werden weniger Arbeitnehmer täglich ins Büro kommen. Viele werden gar keinen festen Arbeitsplatz mehr haben. Wer dank Smartphone und Laptop sein wichtigstes Werkzeug immer dabeihat, kann im Prinzip arbeiten, wann und wo er will. Und noch etwas will uns die Trend- forschung erzählen: Die Mitarbeiter wollen das. Die wollen umher- ziehen, jede Woche woanders sitzen, mal von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr abends, mal von 12 Uhr mittags bis 22 Uhr nachts, mal gar nicht, mal zwölf Stunden am Stück arbeiten. Grenzenlos frei, selbstbestimmt, flexibel arbeiten, wo und wann es gerade passt, so stellen sich auch die Daimler-Beschäftigten anscheinend den idealen Joballtag vor. Das Unternehmen befragte 82.500 Angestellte aus Verwaltung und Entwicklung zu ihren Wünschen in Bezug auf modernes Arbeiten – ein in dieser Größenordnung ziemlich einmaliges Projekt in Deutschland. 80 Prozent der Befragten wünschen sich mehr zeitliche und räumliche Autonomie. Das ist das auf den Punkt gebrachte Ergebnis dieser großangelegten ­Online-Untersuchung des Stuttgarter Autokonzerns. Wirklich? Die wünschen sich das? Sind wir uns da ganz sicher? Keine festen Arbeitsplätze? Keine geregelten Arbeitszeiten? Keine Kollegen zum Austauschen, Einmischen, Ausgehen? Statt gemütlich im Café den Cappuccino zu schlürfen, wollen wir dort lieber an einer Telefon- konferenz teilnehmen? Irgendwie scheinen doch Zweifel ange- bracht. Und einige der Befragten scheinen elementare Grund­ bedürfnisse der Menschen schlicht und einfach zu ignorieren. Aspekte, die für eine Zusammenarbeit unerlässlich sind. 1 Künftig dürfen Sie überall arbeiten. Wer schnell ist, scheint das Spiel zu gewinnen.

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