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B2B Magazin 01 2016

24 leitartikel Vielleicht sind wir mittlerweile einfach nur ein wenig zu kirre, wenn es um Wandel, Entwicklung, Fortschritt geht. Wer denkt an Nutzen und Mehrwert, wenn eine neue Technik, ein neuer digi- taler Kanal auf den Markt kommt? Wer schaltet einfach zuerst den gesunden Menschenverstand ein? In der Regel wird sofort begehrt, ohne darüber nachzudenken, wo der Nutzen bleibt. Man macht sich einfach interessanter als Pionier. Und in dieser Rolle muss man am Ball bleiben. Irgendwie ist alles schneller geworden. Das Geschäft lebt ja auch davon – anscheinend. Anscheinend fressen ja nicht die Großen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Deshalb nehmen wir uns alle nicht mehr die Zeit, um uns bewusst zu werden, welche Regeln wir brauchen, welche Grundlagen uns wichtig sind, worauf es uns ankommt bei der Zusammenarbeit. Dabei stimmt es gar nicht, das mit dem Prinzip, wer wen frisst. Google kauft zum Beispiel 2015 Odysee, eine Foto-Backup-Software, mit der man Bilder statt in der Cloud auf dem PC zu Hause speichert. Der Clou: Das Smartphone erhält freie Kapazitäten, und Freunde und Familie können über ein Netzwerk auf die Fotos zugreifen. Google hat den Sync-Dienst nicht nur aufgekauft, Google hat den Dienst gleich darauf auch eingestellt. Die App ist nicht mehr über die Stores verfügbar. ­Damit hat ein Riese einen Kleinen gekauft. Nicht ein Schneller ­einen Langsamen. Und der Große hat gleichzeitig dafür gesorgt, dass dem bevorzugten System, der Cloud, erst gar keine Kon­ kurrenz erwächst. Aber das nur am Rande. Interessanterweise kommen die wirklich spannenden Innovationen in Bezug auf Zusammenarbeit tatsächlich aus der Digitalindustrie. Und sind dabei voll analog. Wobei sie einen Grundgedanken des Internets kunstvoll in Kollaboration umsetzen: den des Teilens. Ein Barcamp ist zum Beispiel eine offene Tagung mit Workshops und Sessions, deren Inhalte und deren Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können aber auch am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen. Interessant dabei: Durch die betont lockere Organisation wird das jeweilige Engagement der Teilnehmer gefördert, es wird einfach mehr Energie frei. Die Menschen arbei- ten zusammen, und zwar wirklich. Ein Hackathon kombiniert Hack und Marathon und beschreibt eine kollaborative Soft- und Hardwareentwicklung. Ziel eines Hackathons ist es, innerhalb der Veranstaltung gemeinsam erfolgreiche Soft- oder Hardware­ produkte zu entwickeln. Man tritt also zum Beispiel mit einer guten Grundidee an, man verfügt über erste Ansätze und Vorstellungen und entwickelt diese im Rahmen des Hackathons weiter. Die Teil- nehmer kommen üblicherweise aus der Softwareentwicklung oder der Hardwareindustrie und bearbeiten die Projekte in funk- tionsübergreifenden Teams. Es fällt schon auf, dass gerade die Unternehmen, die uns digitale Technologien verkaufen, mit denen wir später das Zwischenmenschliche ersetzen, gerade auf intensives Zusammensein beim Entwickeln und Realisieren setzen. Aber ­irgendwie cleverer, fantasievoller und eben doch effektiver und wahrscheinlich auch effizienter, als wir es sonst alle tun. Man macht sich einfach interessanter als Pionier.

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