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B2B Magazin 02.2015

62 lifestyle Das heißt, wir instrumentalisieren Kleidung, ja nötigen sie zu einer anderen Aussage. Zum Bei- spiel, wenn sie den Körper wie in ein Korsett einzwängt. Dieser Körper wird seiner natürlichen Form beraubt und fühlt sich nicht mehr wohl. Und das empfinden wir als Störung der kommunika- tiven Beziehung zwischen der Kleidung und ihren Trägern. Auch wenn wir das alle wissen, heißt es nicht, dass das immer beherzigt wird. Denn – wie Nitzke schmunzelnd bemerkt – manche nehmen diese Störung nicht wahr, weil sie keinen guten Spiegel zuhause haben. Ein anderes Phänomen, das das Thema von zu großen oder zu kleinen Klei- dungsstücken betrifft, spielt sich hauptsächlich in weiblichen Kleiderschränken ab. „Es gibt Frauen, die sich nicht von unpassenden Kleidungsstücken trennen können, sondern ihre Kleiderschränke damit füllen“, weiß die Expertin. In der verwegenen Hoffnung, dass sich ihre Figur irgendwann einmal mit dieser Kleidung anfreunden kann. DIE KOMMUNIKATIVE BEZIEHUNG KANN GELINGEN ODER MISSLINGEN Ob diese kommunikative Beziehung folglich gelingt, hängt jeweils von der ästhetischen Kompetenz der betreffenden Person ab. Ob sie zum Beispiel zur Selbstkritik fähig ist, die ist nämlich gar nicht so einfach, wie Nitzke betont. Denn den persönlichen Geschmack mit aktuellen Trends zu kombinieren, ist keine Garantie für gutes Aussehen. „Wenn ein neuer Trend aufkommt, dann trägt man das, ohne darüber nachzudenken, ob es zum eigenen Typ passt“, so die Fashion-Stylistin. „Vielmehr ist es entscheidend, dass man beim Trend mitmischen kann.“ Wieder anderen ist es egal, oder sie können es gar nicht einschätzen, ob ihnen das Kleidungs- stück steht. „So individuell, wie die Menschen sind, so individuell muss das Styling auf die Person im Einzelnen abgestimmt werden“, erklärt Nitzke. Das stelle für manche eine Schwierigkeit dar. Sie fügt noch hinzu: „Man möchte nicht alt werden, man möchte immer jung, einfach immer sexy sein. Hin- zu kommt dieser seit ein paar Jahren vorherr- schende wahnsinnige Drang zum Sport. Wenn man nicht fünfmal in der Woche Sport macht, das gilt für beide Geschlechter, gehört man irgendwie nicht dazu, und das finde ich krass. Irgendwann einmal hat sich das Bild der Frau und des Mannes verän- dert, ohne dass man gefragt hat, wo denn dabei der Genuss des Lebens geblieben ist.“ Was also leistet eigentlich Kleidung? Kleidung soll den Körper nicht verkleiden, sondern aus Körpern Leute machen! Das nennen wir Styling. EIN GELUNGENES STYLING DEMENTIERT NICHT DEN KÖRPER, SONDERN BRINGT IHN ZUM SPRECHEN. Das muss besonders in Fällen gelingen, in denen die Natur dem Körper einiges schuldig geblieben ist. Bei den hohen ästhetischen Ansprüchen, wie sie typisch für moderne Gesellschaften geworden sind, sind solche „Defizite“ nicht nur ärgerlich, sondern schränken auch die kommunikativen Möglich- keiten von Personen ein. Um das zu verhindern, sind keine Schönheitsoperationen nötig. Es gibt etwas weitaus Besseres: Kommunikationsdesign! Den Körper mit Hilfe passender Kleidung zum Sprechen zu bringen ist nämlich die große Kunst von Kommunikationsdesgin. Beata Isabella Nitzke wurde in Polen geboren. Ihre große Liebe zur Mode entdeckte sie bereits in ihrer Kindheit. Zuerst studierte sie in Pforzheim an der FH Schmuckdesign. Jedoch waren ihr diese Formen nicht groß genug. Sie wollte mehr Volumen, Größeres gestalten und entschied sich deshalb für das Studium zur Mode-Designerin. Seit 1994 arbeitet sie selbstständig als Fashion-Stylistin und Mode- Designerin für Fotoproduktionen. Am besten gefällt ihr die Arbeit am Set. Ein gelungener Tag endet für sie mit dem perfekten Foto und einem Lächeln. Foto:Frank&Steff 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 62 06.10.15 15:50 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 6206.10.1515:50

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