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B2B Magazin 02.2015

61 KLEIDUNG STIFTET KOMMUNIKATIVE BEZIEHUNGEN Machen Kleider nicht deshalb Leute, weil Leute für Leute Kleider machen? Wenn aber Kleider erst Leute machen, entsteht dann nicht eine Beziehung zwischen den Kleidern und den Leuten, die sie tragen? Also machen nicht nur die Kleider mit den Leuten etwas, sondern auch die Leute mit den Kleidern. Genau das meint auch die Modeexpertin: „Beide beeinflussen sich in dieser kommunikativen Beziehung, sowohl die Person als auch das Outfit.“ Wenn also in diesem Sinne Kommunikation statt- findet, handelt es sich um einen nonverbalen Dialog zwischen der Kleidung und ihren Trägern. Kleidung kleidet uns auf eine ganz bestimmte Weise. „Dabei kommt es immer darauf an, was man selbst ausdrücken möchte“, sagt Nitzke. So kann Kleidung zum Beispiel verraten, welchen Beruf man ausübt. Sie kann darüber Auskunft geben, was man vorhat, in welcher Stimmung man ist, wo man hingehen will und so weiter. Aus Sicht des Modedesigns macht es einen großen Unterschied, ob man sich für den Sport kleidet, für die Oper oder für einen Stadtbummel. Jedoch wäre es viel zu kurz gefasst, wenn man sagen würde, dass die Kleidung nur in diesen verschiedenen Funk­ tionalitäten aufgeht. Auch der Schönheit wird eine große, vielleicht sogar die größte Rolle beigemessen. Natürlich hat Kleidung sehr viel mit Schönheit zu tun. Genauer: mit schön machen. Noch genauer: mit schöner machen. Nicht jede Verschönerung macht jedoch einen Körper schöner. Die kommunikative Beziehung, die wir zu unserer Kleidung aufnehmen, muss zu uns, zu unserem Typ, zu unserem Körper passen. Wenn genau das stattfindet, ist die kommunikative Beziehung erfolgreich und wir nennen die Erscheinung schön. Umgekehrt ärgert es uns, wenn uns jemand sagt, dass unsere Kleidung nicht zu uns passt. „Im Grunde genommen möchte man die Wahrheit nicht hören, man möchte nur hören, dass man gut aussieht“, so Nitzke. Es ärgert uns aber auch, wenn wir dieses Nicht-Passen bei anderen bemerken. Wir beobachten in diesem Fall, dass Kleidung den Körper der Person nicht verschönert, sondern bis zur Unkenntlichkeit verkleidet. Die Styling-Expertin betont, dass dadurch zwar keine Persönlichkeits­veränderung herbeigeführt werden kann, aber Kleidung unser Erscheinungsbild positiv wie negativ sehr beeinflussen kann. KANN KLEIDUNG LÜGEN? Wir benutzen Kleidung gelegentlich auch, um etwas aus uns zu machen, was wir gar nicht sind. Zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen, wenn wir glauben, fremden Erwartungen gerecht werden zu müssen. Kleidung verändert uns, macht aus uns visuell eine andere Person. Auf eine gewisse Art kann Kleidung folglich „lügen“. Aber wer lügt denn hier wirklich? Lügt in diesem Fall die Kleidung? Oder verhält es sich nicht ganz anders: NICHT KLEIDUNG LÜGT, SONDERN DIEJENIGEN, DIE SIE ZUM LÜGEN NÖTIGEN. 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 61 06.10.15 15:50 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 6106.10.1515:50

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