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B2B Magazin 02.2015

39 AV_ Zunächst ist es immer sinnvoll, nicht nur eine Farbe aus­- zu­wäh­len, sondern besser zwei oder drei. Das Kolorit ist viel langlebiger als ein Einzelton. Dadurch wird die Botschaft eindeutiger, weil man sie genauer ausdifferenzieren kann. Ich würde die Botschaft einmal in eine Sachbotschaft und in eine emotionale Botschaft unterteilen und beide dann gut zusam­me­n­fügen. Ein einzelner Farbbegriff erklärt auch immer weniger als ein Doppelbegriff. Wenn ich aus einem tollen, satten Rot ein venezianisches Rot mache, dann bekommt diese Farbe plötzlich eine Botschaft, einen Klang, der die Farbe Rot in etwas Edles, Teures verwandelt. Ein Meerblau ist etwas ganz anderes als Blau. Zu sagen: „Wir sind seriös, wir nehmen irgendein Blau“, reicht also nicht aus. Es gibt große Unterschiede auch innerhalb der gleichen Farben. AV_ Es gibt eine optische Bezeichnung „Blau“. Die ist farbmetrisch in irgendeiner Weise codiert. Aber besser ist es, diesen Code zu erweitern und diesem Blau, ich nenne es mal einen Sinn­ zustand zu vermitteln. Wenn aus Blau ein Mediterran-Blau wird, dann kriegt diese Farbe eine Konnotation, die sie über diesen messbaren Grad der Farbcodierung hinaushebt. Dann vermittelt dieses Blau dem Betrachter einen persönlichen Zugang, wird in seiner Erläuterung bedeutend und durch den höheren Wert des Blaus erhöht sich letztlich auch der Wert der Marke und des Unternehmens. „Die Philanthropie eines Produktes oder eines Unternehmens ist das Wichtigste überhaupt.“ Und durch die von Ihnen angesprochene Möglichkeit der Farbkombi­ nation lassen sich mehrere Botschaften kommunizieren. AV_ Sie können eine Hauptbotschaft aussenden wie zum Beispiel „Seriosität“ und dazu noch so etwas wie „wir sind aber auch menschlich“. Und gerade das ist heute meiner Meinung nach die beste Botschaft, die ein Unternehmen aussenden kann. Die Philanthropie eines Produktes oder eines Unternehmens ist das Wichtigste überhaupt. Ich habe beispielsweise kürzlich für eine große Drogeriemarke ein Farbbuch erstellt, in dem es nur um die Farbigkeit aller Filialen geht. Welche Farben brauche ich, welche Stimmung muss ich mit ihnen erzeugen, damit man sich wohlfühlt. Es geht eigentlich nur um die Kombi­nation von Farben und Wohlfühlatmosphäre. Ein eigentlich sehr einfaches, aber auch sehr wirksames Thema. INTERVIEWER \ Gabriel Vocasek *An dieser Stelle verweist RTS Rieger Team gerne auf die hauseigene Studie „BtoB insight“, die zum gleichen Fazit wie Prof. Venn gelangt. www.btob-insight.de Beschäftigen sich Unternehmen heute entsprechend intensiv mit ihrer Farbgebung? AV_ Die richtige Farbpolitik ist ein wichtiger Punkt für viele Unter- nehmen. Ob sie es allerdings dann auch immer richtig machen, ist eine ganz andere Frage. Die Unternehmen denken nämlich immer zuerst an ihre eigenen, bisher von ihnen definierten Wert- vorstellungen und Bewertungen. Dabei vernachlässigen sie häufig ihre Klientel. Das geschieht zumeist in einer für mich unerträglichen, blanken Innensicht der Unternehmen – sie vergessen einfach, dass da Differenzen bestehen, wenn man die Innensicht nach außen transportieren will. Deshalb gibt es ja Agenturen, die auch einen anderen Blickwinkel auf die Unternehmen bieten können. Wobei es manchmal nicht einfach ist, diese Innensicht aufzubrechen. AV_ Dazu muss man manche Unternehmen wirklich prügeln. Ich glaube, anders geht es nicht, um letztlich Schaden von ihnen abzuwenden. Das beste Beispiel für mich ist das Telekom- Magenta. Das halte ich für den größten Missgriff, den es gibt. Schlimmer geht es eigentlich gar nicht. Das ist eine Farbe aus den Napoleonischen Kriegen. Es ist nicht eine Farbe der Kommunikation – zumindest nicht der guten Kommunikation – sondern das Gegenteil. Aber trotzdem ist die Telekom ganz erfolgreich und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. AV_ Es grenzt fast an ein Wunder, aber ja, das stimmt. Kann es also erfolgversprechend sein, aus dem „gewohnten“ Farbmuster auszubrechen und absichtlich andere Farben beziehungs- weise Farbkombinationen zu wählen? AV_ Das halte ich für eine sehr wichtige Frage. Ich denke, wenn man das nicht tut, wird man irgendwann der Letzte sein. Es besteht sogar die Notwendigkeit für Unternehmen, eigent- lich jedes Jahr ihre Philosophie – Produktphilosophie wie auch Kommunikationsphilosophie – in Frage zu stellen. Gibt es Farben oder Farbkombinationen, die immer funktionieren? 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 39 06.10.15 15:49 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 3906.10.1515:49

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