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B2B Magazin 02.2015

37 MEHR MUT ZUR FARBE FORDERT DER FARBEXPERTE PROFESSOR AXEL VENN, AUCH UND BESONDERS BEI UNTERNEHMEN. IM INTERVIEW ERKLÄRT ER, WELCHE BEDEUTUNG FARBEN FÜR UNS ALLE HABEN UND WARUM SIE WICHTIG FÜR GUTE KOMMUNIKATION SIND. Herr Venn, wie ist das mit den Farben und den Emotionen? AV_ Einige grundsätzliche Erkenntnisse stammen aus der Natur: Sonnige, helle Töne machen den meisten Menschen gute Laune. Und es existieren einige feststehende Parameter, die über alle Kulturen hinweg gleich sind. Schwarz löst zum Beispiel kaum Freude aus, außer vielleicht als neuer Sport­ wagen. Grün ist in allen Ländern eine Farbe der Natur, Farben mit einem Rosa- und leichten Rotgehalt sind mit Hautfarben konnotiert und haben deshalb auch ihre be- sondere Bewandtnis. Allerdings habe ich festgestellt, dass bei allen modernen Kulturen heute eine ähnliche Farbsicht existiert. Wir beziehen inzwischen unsere Farbhorizonte vielfach nicht mehr aus historischen Quellen. Die neuen Quellen sind immer häufiger Marken und Produkte. Das heißt, Marken beeinflussen mit ihren Farben unser positives und negatives Empfinden? AV_ Genau so ist es. Es sind Marken, und es sind Produktlinien, die weltweit Bedeutung haben. Es ist Kosmetik, es ist Mode, es ist Essbares, Trinkbares, Spielerisches. Ich will auf Folgendes hinaus: Es ist nicht mehr die ethnisch-kulturelle Zuordnung – und das ist ganz bedeutsam –, die für Farb- vorlieben steht, sondern es sind die Farbbilder, die uns medial vermittelt werden. Die prägen eigentlich unsere Farbwelten, in denen wir leben. Stellen Konsumenten die speziellen Farben einer Marke oder eines Produkts irgendwann in einen neuen Kontext? AV_ Ja, das wird an Beispielen wie Nivea ganz anschaulich. Ein Bus, der weiß und blau gefärbt ist, gilt als sauber, gilt als zuverlässig und besonders angenehm. Es geht dann nicht mehr um die Hautpflege, sondern um Seelenpflege. Das sind einfach Lern- und Erfahrungseffekte, die nur schwer zu durchbrechen sind. 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 37 06.10.15 15:49 5361_B2B_Magazin_02_2015.indd 3706.10.1515:49

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