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B2B Magazin 01/2014

58 ES GIBT DIE UNTERSCHIEDLICHSTEN GRÜNDE, KUNST ZU SAMMELN – ALS WERTANLAGE, ALS AUSDRUCK DER INDIVIDUALITÄT ODER AUS PRESTIGEGRÜNDEN. IM GESPRÄCH ERKLÄRT EWALD SCHRADE, WELCHE BEDEUTUNG KUNST FÜR IHN HAT, UND GIBT EINEN EINBLICK, WIE DER KUNSTMARKT FUNKTIONIERT. „Das ist zu persönlich, um es beschreiben zu können“_ Der Galerist Ewald Schrade über den Wert von Kunst Herr Schrade, welchen Wert hat Kunst? ES_ Kunst hat einen ganz zentralen Wert! Kunst ist das Oberste, was es gibt, und ist so alt wie die Menschheit. Sie kann zwar keine Kriege verhindern, aber schafft eine Grund- lage zum friedlichen Zusammenleben über kulturelle Grenzen hinweg. Sie ist wie der heilige Geist, der über uns schwebt. Kunst verhilft zum Dialog. Welche Kunstwerke hängen bei Ihnen im Wohnzimmer? ES_ Ach, bei mir hängt alles, klassische und aktuelle Kunst. Das wechselt ja auch immer. Ich lebe ja auch in Schloss Mochental, mei- ner Galerie, da findet sich ein breites Spek- trum. Die Kunst gehört zu mir, bereichert und prägt mein Leben. Ich muss immer umgeben sein von meiner Kunst, sie ist mein Motor, mein Leben. Haben Sie ein Lieblingskunstwerk? ES_ Nein. Sie fragen eine Mutter ja auch nicht, welches ihrer 16 Kinder ihr das liebste ist. Jedes meiner Kunstwerke hat für mein Leben eine Bedeutung. Das kann man mit Worten nicht beschreiben. Das ist die Sprache der Bilder. Über die handwerklichen Aspekte der Kunst kann man fachsimpeln, aber nicht darüber, was Kunst in einem auslöst. Ein Kunstwerk wirkt auf jeden Menschen unterschiedlich und löst ganz andere Empfindungen aus – der Wert der Kunst ist zu persönlich, um ihn zu beschreiben. Aber genau das macht den Wert aus. Wie bewertet man als Galerist einen neuen Künstler, den niemand kennt? Wie setze ich den Preis seiner Kunst fest? ES_ Da muss ich mich auf mich und mein Gefühl verlassen. Bin ich von einem Künstler überzeugt, dann muss ich die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam machen. Kunst ist ja etwas sehr Subjektives. Wenn Kuratoren, Galeristen und Kunstexperten ihre positiven subjektiven Meinungen zu einem Künstler addie- ren, kann sich daraus ein objektiver Maßstab ergeben. Dadurch wird bei den Sammlern eine Begehrlichkeit geweckt. So funktioniert der Kunstmarkt, so entwickelt ein Künstler Präsenz. Es gehört auch Glück für den Künstler dazu. Wie mein Freund, der verstorbene Künstler Shmuel Shapiro, sagte: „Zur Kunst gehören immer zwei. Einer, der sie macht, und einer, der sie kauft.“ Ein Samm- ler muss bei einem Kunstwerk das Gefühl des „Habenwollens“ bekommen. Und je mehr Sammler ein Kunstwerk haben wollen, desto teurer wird es. Viele Sammler sehen Kunst als Ausdruck der eigenen Individualität, wenn sie Uni- kate besitzen. Das ist eine Form von natürlichem Snobismus. INTERVIEWERIN \ Lisa Bittner Ewald Karl Schrade (1941) lernte eigentlich Modellbauer. Nach einem Motorradunfall verlor er 1960 seine rechte Hand und absolvierte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Aus Interesse begann er in einer von ihm geleiteten Bankzweigstelle Kunstausstellungen zu organisieren. Heute betreibt er zwei Galerien (Schloss Mochental und Karlsruhe) und ist Initiator und Kurator der art Karlsruhe, die sich zu einer der bedeutendsten Kunstmessen im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. interviewstrecke

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