Made for Germany. Und ein Wow.

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12.08.2026

Die Krisenkommunikation der deutschen Industrieverbände

Die deutsche Wirtschaft hängt in den Seilen, die Politik kommt nicht aus den Startlöchern, die Stimmung ist mies. Braucht das Land nicht einen Sinneswandel? Eine Grundsatzrede, die den berühmten Ruck auslöst oder eine Kampagne, die Aufbruchstimmung bringt? Doch wer soll dafür sorgen? Vielleicht die großen, deutschen Industrieverbände? Wir haben fünf Beispiele angeschaut.

100.000 Unternehmen, acht Millionen Arbeitsplätze

Als wichtigster übergreifender Dachverband gilt der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie), der rund 100.000 Unternehmen und über 184 Branchenverbände vertritt. Der VDMA, Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, zählt 3.600 Mitglieder und gilt als einer der größten Branchenverbände in Europa. Der VDA, der Verband der Automobilindustrie, umfasst Automobilhersteller und -zulieferer. Er vertritt eine weitere deutsche Schlüsselbranche mit ca. 600 Mitgliedern. Weitere Größen heißen ZVEI, der die Elektro- und Digitalindustrie mit ungefähr 1.100 Mitgliedsunternehmen versammelt und der VCI, der Verband der Chemischen Industrie, der für 1.900 Unternehmen steht. Betrachtet man die Beschäftigtenzahlen der von diesen Verbänden vertreten Branchen, kommt man auf grob acht Millionen Arbeitsplätze in Deutschland. Das ist eine Macht.

Alarm statt Aufbruch

Die Verbände kommunizieren derzeit keine klassischen Aufbruchskampagnen. Vielmehr bildet die Kommunikation die tiefen Auffassungsunterschiede zur aktuellen Lage zwischen Industrie und Politik ab. Der Ton ist ernst. Die DIHK bezeichnete die Lage in ihrer Konjunkturumfrage aus dem Frühjahr 2026 explizit als „Doppelkrise". Strukturelle Schwäche trifft externe Schocks wie Handelspolitik oder Energiekosten. Der BDI verzeichnete 2025 das vierte Jahr in Folge mit rückläufiger Industrieproduktion (-1,6 % gegenüber Vorjahr). Die Strategie der Industrieverbände scheint deshalb zu lauten: Die Probleme öffentlich zu machen, um damit politischen Reformdruck zu erzeugen.

BDI: #wachstumwählen

Der BDI nutzt den Hashtag #wachstumwählen für eine wirtschaftspolitische Kampagne, mit der er vor allem auf LinkedIn und YouTube öffentlich aktiv ist. Im Zentrum der Initiative stehen der Erhalt der industriellen Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsförderung und die dringenden Erwartungen der Wirtschaft an die Politik, konkrete Reformen für einen echten Turnaround anzugehen. Der Verband formuliert zentrale Handlungsfelder, um Deutschland aus der konjunkturellen Talfahrt zu befreien. Vor allem Stabilität, Abbau von Bürokratie und verbesserte Rahmenbedingungen für Unternehmensinvestitionen. Dazu die Stärkung der Innovationskraft durch Technologieoffenheit und die rasche Umsetzung von Innovationen in die Marktreife. Beides wird als entscheidend für die globale Wettbewerbsfähigkeit angesehen. Und: Standortsicherung. Die Senkung von Energiekosten und Unternehmenssteuern sind Kernforderungen, um Abwanderungen zu verhindern und den Standort attraktiv zu halten.

VDMA: Wettbewerbsfähigkeit und #MASCHINENWOW

Der VDMA zielt auf Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland und Europa. Er fordert in seinen wirtschaftspolitischen Positionen 2026 Wachstumsimpulse und die Modernisierung von Staat und Gesellschaft. Ganz konkret werden zwölf Themen angesprochen: Strukturreformen, insbesondere für Wachstum und Beschäftigung, mehr Freihandel, mehr Resilienz und die Stärkung von Europas industrieller Basis, Forcierung der Digitalisierung, weniger Regulierungen, Sicherung und Qualifikation von Fachkräften, Zukunftsorientierung, Transformation als Chance, Steuerreformen, Schaffung geeigneter Rechtsrahmen für Zukunftsmärkte, weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung und Vertrauen in die Marktkräfte. Zu allen diesen Punkten finden sich ausführliche Erklärungen und Begründungen auf der Homepage. 

Dazu fährt der VDMA aktuell eine Image-Kampagne mit dem Hashtag #MASCHINENWOW. Mit Kernbotschaften wie „Wir sind der MASCHINENWOW“ und „Wir machen aus Ideen Industrien“ will der Verband deutlich machen, wie vielseitig, wirkungsstark und eindrucksvoll der europäische Maschinen- und Anlagenbau ist.

Verschiedene Verbände, gemeinsame Positionen

Die vier großen Industrieverbände, VCI, VDA, VDMA und ZVEI, veröffentlichen regelmäßig gemeinsame Positionspapiere zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen und konkreten Handlungsfeldern zur Wirtschaftsstimulierung. Frühere Beispiele: Frequenzvergabe für Industrie 4.0 (5G) oder Impulse für die Stimulierung der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie mit der Bewältigung der Lockdown-Folgen. Ganz aktuell wird zusammen mit dem KLiB, dem Batterieverbund, auf die Notwendigkeit eines wettbewerbsfähigen Batterieökosystems in Deutschland und Europa hingewiesen. Neben dem Positionspapier wurde hierzu auch ein offener Brief an die Bundesregierung formuliert.

Made for Germany: Die CEO-Initiative 

Die bislang wohl prominenteste Initiative kommt nicht von einem einzelnen Verband, sondern entstand auf Initiative von Christian Sewing (Deutsche Bank), Roland Busch (Siemens), Mathias Döpfner (Axel Springer) und Alexander Geiser (FGS Global). Die Mitglieder nennen ihre Vision „Gemeinsam für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland“ und beschreiben Made for Germany als „branchenübergreifende Initiative, in der sich 134 führende Unternehmen und Investoren für eine starke, erfolgreiche und zukunftsfähige Wirtschaft in Deutschland zusammenschließen.“ Die Initiative verfolgt das Ziel, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenzubringen, um das Vertrauen in Deutschland als Wirtschaftsstandort zu stärken, Investitionen anzuziehen und die Binnennachfrage anzukurbeln. Das Versprechen: Zwischen 2025 und 2028 werden die Mitglieder der Initiative gemeinsam über 800 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Für Innovation, Forschung, Infrastruktur und neue Arbeitsplätze. Man versteht das als klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und setzt auf verlässliche Rahmenbedingungen, die auch Mittelstand und Startups stärken. Made for Germany versteht sich laut eigener Aussage „als Brücke zwischen Wirtschaft und Politik“. Man will die Umsetzung zentraler Reformen unterstützen und das eigene Know-how aktiv einbringen. Ziel: „Ein lösungsorientierter Dialog für mehr Innovation, weniger Bürokratie und eine starke Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“ Die Initiative „Made for Germany“ wurde 2025 im Rahmen eines Investitionsgipfels im Bundeskanzleramt vorgestellt.

Viele Probleme, wenig Aufbruch

Die Probleme werden angesprochen und bei den Lösungen herrscht in den Industrieverbänden Einigkeit. Zwischen den Positionspapieren, offenen Briefen und wirtschaftlichen Statements der Verbände vermitteln zwei Aktionen zumindest im Ansatz so etwas wie Optimismus, Aufbruch und Selbstvertrauen. Einmal der #MASCHINENWOW des VDMA, der die Bedeutung der Branche für den Standort Deutschland deutlich macht, spannend inszeniert und unterhaltsam erzählt. Und die Initiative Made for Germany, die das Zeug hat, etwas Großes zu werden. Immerhin steht eine begehrenswerte Vision für Deutschland im Raum, gepaart mit einem klaren Bekenntnis zum Standort, das sich in einem konkreten Versprechen ausdrückt. Insbesondere dieser Initiative wünschte man mehr Öffentlichkeit, mehr Berichterstattung in den Medien, mehr Verbreitung ihrer Inhalte. Und allen Verbänden die Weitsicht, noch viel mehr gemeinsam dafür zu tun, dass sich im Land wieder was nach vorne bewegt.

Autor
Jörg Dambacher
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