Die am 24. April zu Ende gegangene Hannover Messe 2026 hat sich erneut als globale Leitmesse der Industrie präsentiert. Rund 110.000 Besucherinnen und Besucher waren da, mehr als 3.000 Aussteller aus 60 Ländern zeigten, was sie können. Und wie war sie jetzt, die HMI 2026? Eine kurze Zusammenfassung finden Sie hier.
Künstliche Intelligenz, Transformationsdruck und wirtschaftliche Ernüchterung
Die Stimmung auf der Messe war ambivalent, viel Krise angereichert mit einem Hauch Konstruktivität und Optimismus. Auf der einen Seite herrscht bei vielen deutschen Ausstellern ein klarer Wille zur Zuversicht. Die Unternehmensvertreter betonten den Anspruch, Deutschland trotz Energiekrise und globalem Konkurrenzdruck als Industriestandort zu behaupten. Auf der anderen Seite zeigte sich eine deutlich nüchternere Perspektive: Viele Firmen berichten von Kostendruck, Investitionszurückhaltung und schwierigen Auftragslagen. Messechef Jochen Köckler sprach davon, dass einige Unternehmen „kleiner kommen oder sich Messeauftritte kaum noch leisten können“. Dazu prägten schwierigen Rahmenbedingungen die Veranstaltung: Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr, Streiks bei der Lufthansa im internationalen Flugverkehr, beides zur Unzeit.
KI, Energie, Geopolitik, Sicherheit geben den Takt an
Das dominierende Leitthema der Hannover Messe 2026 war eindeutig die Künstliche Intelligenz in der industriellen Automatisierung. KI zog sich durch nahezu alle Hallen, von Produktion über Logistik bis hin zu Energie- und Prozesssteuerung. Unternehmen präsentierten KI-gestützte Produktionsplanungen in Echtzeit, autonome Roboter in der Fertigung und der Logistik, digitale Zwillinge für Industrieanlagen und KI-basierte Energieoptimierung in Fabriken. Die Messe zeigte, dass KI in diesen Bereichen als bereits produktionsreife Technologie angesehen werden kann.
Weitere Schwerpunkte: Die industrielle Energiewende mit Wasserstofftechnologien, Netzintegration erneuerbarer Energien und energieeffizienteren Produktionsprozessen. Die Kombination aus hohen Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit prägte die Diskussionen stark. Brasilien als Partnerland zeigte den Weg in neue, internationale Beziehungen: Stabile Lieferketten, neue Handelsbeziehungen und gesicherte Rohstoffzugänge spielten eine zentrale Rolle. Bei wachsenden Sorgen vor Abhängigkeiten, insbesondere gegenüber China, ein wichtiges Signal. Erstmals stärker sichtbar: Rüstungs- und Dual-Use-Technologien, also zivile und militärisch nutzbare Industrieprodukte.
Sorgen wegen der Strukturkrise in Deutschland
Trotz zahlreicher Innovationen prägte die Schwäche der deutschen Industrie die Wahrnehmung der Messe stark. Schwache Auftragseingänge, hohe Energie- und Produktionskosten, wachsender Wettbewerbsdruck aus Asien sind nur drei Punkte, die hierzu auf der Hannover Messe diskutiert wurden. Viele deutsche Aussteller sprachen von einer Art Krisenmodernisierung. Investieren ja, aber vorsichtiger und selektiver als früher. Passend dazu stagniert die Zahl der Aussteller seit Jahren. Sie setzen auf kleinere Messestände und weniger Personal vor Ort. Auch der langfristige Besucherrückgang ergänzt das Bild der sich in der Messe abbildenden Krise leider nur zu gut. Allerdings werden diese Entwicklungen auch als Ausdruck veränderter Messe- und Geschäftsmodelle gesehen.
Positive Signale
KI gilt als industrieller Wachstumsmotor, viele Unternehmen sehen in der KI einen echten Produktivitätssprung mit deutlich schnelleren Entwicklungszyklen, geringeren Produktionskosten und besserer Ressourcennutzung. Deutschland wird hier, trotz Rückständen im Mittelstand, in Zukunft sicher punkten. Die Messe bleibt auf absehbare Zeit ein globaler Hotspot für Maschinenbau, Elektroindustrie, Digitalisierung und Energietechnik. Gerade deutsche Unternehmen haben die Chance genutzt, sich als für die Zukunft gerüstet aufzustellen. Siemens zählte zum Beispiel erneut zu den dominierenden Ausstellern und präsentierte komplett KI-gesteuerte Fabrikmodelle, in denen Planung, Steuerung und Wartung durchgehend digitalisiert sind. Das sah alles schon sehr nach der Fabrik der Zukunft aus und machte deutlich, dass Siemens zu den zentralen Treibern des Trends Software-definierte Industrie gehört.
Bei Bosch Rexroth gab es eine durchgängige Wertschöpfungskette für Batterien zu sehen. Von der Zellfertigung bis zum Recycling. Ein klares Signal in Richtung Elektrifizierung der Industrie und Kreislaufwirtschaft mit ganz konkreter Produktionstechnik. Mit seiner Sprachsteuerung für Maschinen lieferte Beckhoff Automation eine der technologisch auffälligsten Innovationen auf der HMI 2026. Die Highlights: Sprachmodelle steuern Maschinenbewegungen, KI verbindet Softwaremodelle direkt mit der Robotik. Ein Schritt in Richtung natürlich sprachgesteuerter Fabrik, in der Maschinen ähnlich wie Softwareanwendungen bedient werden. Phoenix Contact zeigte ebenfalls Lösungen für die industrielle Energiezukunft. Es ging um vernetzte Energiesysteme, sichere Automatisierung, neue Infrastrukturen für industrielle Stromnetze und somit um Energiezuverlässigkeit und Elektrifizierung der Industrieanlagen.
Die wenigen Beispiele zeigen, dass die Transformation der meisten Hersteller bereits in vollem Gange ist. Sie agieren heute nicht mehr nur als Maschinenbauer, sondern zunehmend als Software-, KI- und Plattformanbieter mit industriellem Fokus. Geschäftsmodelle und Zielmärkte ändern sich teils radikal. Und weite Teile der deutschen Industrie sind dafür nach wie vor hervorragend aufgestellt. Die Hannover Messe bot 2026 also vor allem einen Einblick in das Labor für den industriellen Umbau Europas. Jetzt muss nur noch die Politik liefern.
Wir sind der MaschinenWOW
Der VDMA, mit seinen 3.500 Mitgliedern größte Netzwerk-Organisation und wichtigstes Sprachrohr der europäischen und deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, hat die Hannover Messe 2026 als Bühne zum Launch seiner neuen #MaschinenWOW Kampagne genutzt. Der Verband will in diesen bewegten Zeiten zum einen der Öffentlichkeit und der Politik die Bedeutung des Maschinen- und Anlagenbaus vor Augen führen, aber auch die Mitglieder des Verbandes selbst an ihre Stärke und ihre führende Rolle in der Welt erinnern. Auf der Landingpage zur Kampagne, die von Jung von Matt INDUSTRY entwickelt wurde, finden sich weitere Informationen: www.vdma.eu/de/maschinenwow.