ebm-papst setzt auf Lufttechnik, KI, Wärmepumpen, richtet sich für die Zukunft neu aus und schafft es damit sogar ins Radio.
Es gibt sie noch: Die guten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. So gut, dass sie SWR1 sogar eine Meldung in den 12 Uhr-News wert sind. Anlässlich seiner Jahrespressekonferenz Ende Juni 2026 vermeldet der Ventilatoren- und Motorenspezialist ebm-papst aus Mulfingen einen gestiegenen Umsatz um 6% und positive Aussichten für das Geschäftsjahr 2026/27. ebm-papst gehört zwar mit 13.500 Beschäftigten weltweit und einem Umsatz von knapp 2,1 Milliarden Euro zu den technologischen Aushängeschildern des deutschen Mittelstands. Gilt aber gleichzeitig als typisches Beispiel für einen Hidden Champion mit den klassischen Merkmalen. Das Unternehmen gehört zu den Top 3 auf dem Weltmarkt, befindet sich nach wie vor im Besitz der Gründerfamilien Sturm, Ziehl, Philippiak, die auch den Aufsichtsrat bilden, sitzt auf dem Land in Hohenlohe (kennt irgendjemand Mulfingen?), hat sich auf eine Marktnische fokussiert, hochgradig spezialisiert und ist seit langem international aktiv. Aber: Es ist der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.
Umso bemerkenswerter die Erwähnung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Vielleicht gilt es ja, den Negativmeldungen um Massenentlassungen in der Automobilindustrie, Insolvenzen oder Firmenschließungen ab und zu etwas Positives entgegenzusetzen. Wie dem auch sei: ebm-papst konzentriert sich nach einer umfassenden strategischen Neuausrichtung auf Zukunftsmärkte – allen voran industrielle Lufttechnik, Digitalisierung und Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Mit dieser Fokussierung verabschiedet sich das Unternehmen von mehreren Geschäftsfeldern. Die industrielle Antriebstechnik wurde 2025 an Siemens verkauft, während die Bereiche Automotive und Standardanwendungen für Hausgeräte ebenfalls nicht mehr zu den strategischen Kernaktivitäten gehören. ebm-papst setzt also auf hochentwickelte Ventilatoren und Lufttechniklösungen für Industrie, Rechenzentren, Heizungs-, Klima- und Kältetechnik sowie die Medizintechnik. Dazu kommen intelligente Steuerungs- und Regelungselektronik sowie digitale Services. Im Bereich Heiztechnik entwickelt ebm-papst zudem Komponenten für moderne Wärmepumpen und energieeffiziente Heizsysteme.
Dass dieser Wandel bereits Wirkung zeigt, belegen die aktuellen Unternehmenszahlen. Im Geschäftsjahr 2024/25 erwirtschaftete ebm-papst einen Umsatz von 2,098 Milliarden Euro. Das entspricht zwar einem Rückgang von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das ist jedoch auf die Bereinigung des Produktportfolios zurückzuführen. Das verbleibende Kerngeschäft entwickelt sich dagegen stabil und wird laut eigener Einschätzung in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Mehr als drei Viertel des Umsatzes stammen inzwischen aus der industriellen Lufttechnik.
Als wesentlicher Wachstumstreiber gilt die rasant steigende Nachfrage nach Kühllösungen für Rechenzentren. Mit dem weltweiten Boom der Künstlichen Intelligenz wächst auch der Bedarf an leistungsfähigen Serveranlagen, deren Kühlung einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs ausmacht. Nach Unternehmensangaben entfallen bis zu 30 Prozent des Strombedarfs eines Rechenzentrums auf die Kühlung. Hier sieht ebm-papst enormes Potenzial: Die angebotenen Lösungen können den Energiebedarf der Kühlsysteme um bis zu 50 Prozent reduzieren. Bereits heute stammen rund 30 Prozent des Unternehmensumsatzes aus Anwendungen für Rechenzentren. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll dieser Anteil auf 40 bis 45 Prozent steigen. Parallel dazu investiert ebm-papst intensiv in die Digitalisierung der eigenen Produkte. Das Unternehmen entwickelt intelligente Ventilatoren, die ihren Zustand kontinuierlich überwachen und Betriebsdaten in Echtzeit auswerten. Das ermöglicht eine effizientere Nutzung der Anlagen und hilft dabei, Ausfälle frühzeitig zu vermeiden. Für Betreiber industrieller Anlagen ergeben sich dadurch weitere Energieeinsparungen und geringere Wartungskosten.
Ein weiteres Zukunftsfeld bleibt die Heiz- und Wärmepumpentechnik. Die weltweite Nachfrage nach energieeffizienten Heizsystemen steigt und ebm-papst arbeitet deshalb an neuen Hochgeschwindigkeits-Turbokompressoren für Wärmepumpen, die leichter, leiser, platzsparender arbeiten und weniger Kältemittel benötigen. Um alle Entwicklungen voranzutreiben, investiert das Unternehmen in Forschung und Entwicklung. Im vergangenen Geschäftsjahr flossen mit rund 140 Millionen Euro mehr als fünf Prozent des Umsatzes in Innovationen. Für das laufende Jahr sind Investitionen von rund 140 Millionen Euro geplant, insbesondere in den Wachstumsmärkten Indien, China und Rumänien. Produktion und Entwicklung sollen sich möglichst nah an den jeweiligen Absatzmärkten befinden, um Lieferketten robuster und unabhängiger zu gestalten. Darüber hinaus engagiert sich ebm-papst als Partner im Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) in Heilbronn und erwartet durch den verstärkten KI-Einsatz, der unternehmensintern massiv gefördert wird, deutliche Produktivitätssteigerungen in verschiedenen Unternehmensbereichen.
Laut CEO Klaus Geißdörfer sind die Ziele ambitioniert und die Aussichten bestens: Bis 2030 soll der Umsatz des Kerngeschäfts auf rund 3,4 Milliarden Euro steigen. Und in unserem Gespräch mit unter anderem Kai Halter aus dem September 2025 wird deutlich, dass das Marketing des Unternehmens daran einen echten Anteil hat.