50 Jahre

Investitionsgüter­­­­­werbung, die nicht wie Investitionsgüterwerbung aussieht


In der Tat versprüht das, wofür RTS Rieger Team früher stand und heute noch steht, für viele exakt die Attraktion, genau den Glamour und präzise die Inspiration, nach der der Begriff Investitionsgüterwerbung klingt. Keiner hat Mitte der 80er-Jahre kapiert, wie man als junger, hoffnungsvoller ­Texter den Arbeitsplatz im Industriegebiet von Stuttgart-­Vaihingen einem schicken Büro in der Stadtmitte oder gar in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg vorziehen kann. Alle haben sich gefragt, was den Reiz dieses Jobs in dieser Agentur ausmacht. Dabei ist das erstaunlich leicht und wunderbar schlüssig zu beantworten. Erstens hat man es in der Agentur schon immer in allererster Linie mit besonders liebenswerten Menschen zu tun. Oft ­keine klassischen Werber mit ihren einhergehenden Attitüden. Zweitens steht RTS Rieger Team genau für das, was die Überschrift ausdrückt: Man kann einen Zustand feststellen und sich damit abfinden. Oder man kann es anpacken und ­diesen Zustand verändern. Drittens heißt es heute B2B-Werbung und stellt nach wie vor für viele ­klassische Werber ein Buch mit sieben Siegeln dar, hat aber wesentlich an Akzeptanz und Wertschätzung hinzugewonnen. Sehr wahrscheinlich auch deshalb, weil vielen in der Zwischenzeit klar ist, wofür Made in Germany, German Engineering steht und durch welche Produkte und Technologien dieser Ruf in der Welt geprägt wird. Aber der Reihenfolge nach.


Weil Werbung nicht immer die ganz ­klaren Berufsbilder hat, zieht sie wohl auch besondere Menschen an.

Bei RTS Rieger Team arbeiten viele verschiedene ­Macher, Schaffer, Querköpfe, Ärmelhochkrempler, die individuelle Freiheiten zu schätzen wissen, Selbstständigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten suchen.

/Es sind Typen, die B2B-Werbung machen. Und bei RTS Rieger Team sind es besondere Typen

Weil Werbung nicht immer die ganz klaren Berufsbilder hat, zieht sie wohl auch besondere Menschen an. Das ist etwas, was ich an der Branche ganz besonders liebe. Regelmäßig Menschen zu begegnen, die in anderen Jobs unter anderen Voraussetzungen oft schlicht und einfach nicht klarkämen; die individuelle Freiheiten zu schätzen wissen, Selbstständigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten suchen. Macher, Schaffer, Querköpfe, Ärmelhochkrempler. RTS Rieger Team bildet da keine Ausnahme. Oder vielleicht doch: Die Agentur pflegt in der Tat seit jeher einen besonderen Umgang mit den Menschen, die dort arbeiten. RTS Rieger Team legt prinzipiell großen Wert auf Eigenverantwortung und Selbstorganisation. Es gibt keine Kontroll­kultur und auch keine entsprechenden Strukturen, wie sie in vielen Agenturen üblich sind. So ist es kaum Zufall, dass in Düsseldorf und Leinfelden-Echterdingen täglich eine Menge echter Typen – jedweden Geschlechts – zusammen­kommen. Menschen, die sich einfach darauf freuen, sich zu sehen und zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Die sich auch über den Arbeitsalltag hinaus nicht satthaben, zusammen kochen, essen, feiern, Ski ­fahren und ausgehen. Die dabei ein gemeinsames Ziel ­verfolgen: ­jeden Tag das Beste für die Profilierung von B2B-Marken und herausragende B2B-Kommunikation zu geben. Und die dabei nicht heimlich von Schokolade, ­Autos oder Mode träumen. Sondern überzeugte, stolze und begeisterte B2B-Werber sind.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das klingt weit ­kuscheliger, als es ist. RTS Rieger Team stellt hohe An­sprüche und fordert viel von jedem Einzelnen. Vielmehr die Aufgaben, die an uns herangetragen werden, tun dies. Das Einarbeiten in die Materie, in Technologien, Märkte, Zielpersonen, relevante Argumente verlangt ein höheres Maß an Fleiß, Ausdauer und Abstraktionsvermögen als so manches Konsumprodukt. Dafür erhält man in der Regel weniger Aufmerksamkeit, weniger Glamour und Wertschätzung als der durchschnittliche B2C-Werber. Das muss man aushalten. Und es gibt nicht wenige, die das nicht schaffen. Die dann doch feststellen, dass es B2B eben doch nicht ist, die Themen zu komplex, die Aufgaben zu wenig attraktiv und zu schwierig sind.

Die, die bleiben, werden belohnt. Zum Beispiel mit tiefen Einblicken in Themen, denen der durchschnittliche Konsument höchstens sonntags um 11.30 Uhr in der Sendung mit der Maus begegnet. Mit Kontakten zu Menschen, die ihr Unternehmen ein Leben lang aufgebaut, geführt, begleitet und schlicht dafür gelebt haben. Mit der Arbeit für hochrangige Manager, die vor komplexen Veränderungsprozessen stehen und dabei voll auf die Karten Marke und Kommunikation setzen. Deren Ohr man hat, die sich auf RTS Rieger Team verlassen und den Erfolg auch mit ihrer Agentur teilen. Und mit dem täglichen Aufeinandertreffen mit tollen Menschen in einem herzlichen Klima. Ich kann es schwer mit anderen Arbeitsplätzen und Agenturen ­vergleichen, da ich noch nie woanders gearbeitet habe. Aber ich habe schon den Eindruck, dass es eine außer­gewöhnlich hohe Anzahl an Freundschaften gibt, die bei RTS entstanden sind und über all die Jahre immer noch halten. Auch wenn die Menschen arbeitsplatztechnisch mittlerweile in alle Richtungen zerstreut sind.


Eine langweilige und schlecht gestaltete Website kostet letztendlich dasselbe wie eine unterhaltende schöne.

Wir wollten und wollen Erwartungen übertreffen. Dass uns das regelmäßig gelingt, belegen nicht zuletzt zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2000 hat mal jemand ­angefangen, eine Liste zu führen. Seit damals haben wir 280 Awards gewonnen.

/Es gibt B2B-Werbung. Und es gibt B2B-Werbung von RTS Rieger Team

Eine Agentur sollte eigentlich keinen eigenen Stil haben, an dem sie erkannt wird. Keine eigene Handschrift. Es sollte eher so sein, dass man aus dem Niveau der Arbeit schließen kann, dass sie von dieser oder jener Agentur sein muss.
So haben wir das immer aufgefasst und deshalb diesen Satz für uns formuliert, der heute noch gilt: Wir machen B2B-Kommunikation, die nicht wie B2B-Kommunikation aussieht. Dieser Anspruch drückt im Wesentlichen das aus, was uns antreibt. Auch wenn es mittlerweile zweifel­los eine größere Anzahl an wirklich guten B2B-Adressen mit entsprechend guten Referenzen gibt, befinden sich die durchschnittliche B2B-Marken­arbeit und die Werbung dafür immer noch auf einem Level irgendwo zwischen beschämend, langweilig und schlicht und einfach doof. Über die Gründe dafür gibt es eine gefühlt endlose Anzahl an Artikeln und Statements aus unserem Hause. Entscheidend ist, dass wir uns damit nie zufriedengegeben haben. Wir wollten immer, dass unsere ­Arbeiten für unsere Kunden eine Benchmark darstellen. Wir wollten, dass Branchen aufschauen und sich fragen: „Hoppla! ­Warum haben wir sowas nicht gemacht?“ Wir wollten ­zeigen, dass auch B2B-Unternehmen mit einer klar definierten Marke und einer entsprechenden Kommunikation Marktführer werden können. Marktführer in der Kommunikation. Eine nicht zu unterschätzende Position. Wir wollten und wollen Erwartungen übertreffen. Gute und schlechte Werbung kosten eigentlich gleich viel Geld. Eine langweilige und schlecht gestaltete Website kostet letztendlich dasselbe wie eine unterhaltende schöne. Eine Anzeige verursacht immer dieselben Schaltkosten, ob einfallslos oder einfallsreich. Außer Frage steht, welche Website, welche Anzeige mehr Wirkung hinterlässt. Und darum geht es. Um die Wirkung, um den Effekt. Um das, was wir bewirken, was unsere Konzepte und Ideen auslösen. Dabei haben wir es nie bei unserer eigentlichen Arbeit belassen.

/Wir haben immer den Ruf und die Bekanntheit der gesamten B2B-Sparte im Auge gehabt

RTS Rieger Team hat deshalb nicht nur den Namen BoB, Best of Business to Business, sondern gleich den ganzen Award entwickelt und ins Leben gerufen. Der BoB hat 2019 übrigens bereits zum 21. Mal stattgefunden. Später haben wir zuerst das B2B-Forum im GWA ins Leben ge­rufen und dann zusammen mit diesem Forum den PROFI kreiert, den Preis für herausragende Markenarbeit im B2B. Dieser Wettbewerb ist seit 2018 mit dem Effie verschmolzen, was bedeutet, dass wir seit diesem Jahr eine eigene Kategorie im bedeutendsten Award, den es international in der Kommunikationsbranche gibt, besitzen. Beide Bei­spiele untermauern nur den Anspruch, nicht einfach nur für sich Geschäfte machen zu wollen, ­sondern eine ­Mission zu haben: der Arbeit für B2B-­Marken und B2B-Markenkommunikation insgesamt zu mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung zu verhelfen.

/B2B-Marken gewinnen an Bedeutung. Jetzt aber wirklich

Mir ist bekannt, dass wir schon einmal an dem Punkt waren. Anfang der 2000er muss das gewesen sein. Und dann gab die Lehman Brothers Bank ihre Insolvenz bekannt und stürzte die Welt in eine beispiellose Krise und nichts war mehr so, wie es vorher war. Allerdings kam nach dem Tiefpunkt im April 2009 auch wieder relativ einfach der Aufschwung. Ich erinnere mich an Gespräche auf der Hannover Messe 2009, in denen hinter vorgehaltener Hand bereits erzählt wurde, dass es eigentlich gar keine so ganz schlechten Perspektiven für die kommenden Monate gäbe. Und was dann passierte, war für B2B-Marken und alle, die dafür stehen, erstmal fatal. Denn es folgte der längste durchgehend anhaltende Aufschwung der deutschen Wirtschaftsgeschichte. In dessen Folge die Unternehmenschefs mit allem beschäftigt waren, nur nicht mit ihren Marken: Einstellen von Mitarbeitern, Ausbau von Produktionskapazitäten, Verbesserung der Logistik, Erschließung neuer Märkte, Entwicklung neuer Technologien und Lösungen.


Die Konjunktur der B2B-Unternehmen koppelte sich von der Entwicklung der Agentur ab. Die Wirtschaft wuchs und wuchs und wuchs, RTS Rieger Team trat auf der ­Stelle. Verschärft wurde das Ganze durch die Digitalisierung und die neu auftretenden Player, die aus ihrer Abneigung gegenüber Werbung keinen Hehl machten, das Blaue vom Himmel versprachen und damit zumindest kurzzeitig Erfolg zu haben schienen. Erst gegen Ende 2016 hatten wir das Gefühl, dass sich alles wieder ein wenig normalisiert. Forciert durch den Fachkräftemangel wurde das Thema ­Arbeitgebermarke immer wichtiger. Ein Thema, dem sich RTS Rieger Team schon längst gewidmet hatte.
Die Digitalisierung sorgte für Veränderung. Und zwar in allen Bereichen. Und zwingt Unternehmen auch heute noch geradezu dazu, sich nicht nur den neuen Geschäfts­modellen und veränderten Märkten zu widmen, sondern auch der Marke und dem guten Ruf. RTS Rieger Team wäre nicht RTS ­Rieger Team, wenn wir uns nicht rechtzeitig auf diese Themen eingestellt ­hätten. Weshalb wir heute in der Lage sind, B2B-Marken durch das zu begleiten, was die digitale Transformation ihnen abverlangt. Unsere Arbeit wird dadurch nicht ­weniger anspruchsvoll. Aber sie bleibt spannend.
Was will man mehr?


RTS Rieger Team will nach wie vor für seine Kunden einfach sein, was oft das Schwierigste ist.

Offenheit, Neugier, Pragmatismus, Internationalität: Noch immer steckt viel vom Spirit des Gründers in der Agentur.

/Der Geist von Franz Rieger

Als Agenturmensch erlebt man diverse Firmenjubiläen, berät Kunden dazu oder benutzt sie als Kommunikationsanlass. Ganz selten ist es das eigene Jubiläum. Und dann auch noch das 50-jährige. Ich war sehr gespannt, wie sich das anfühlt. Und was mir auffallen wird, wenn ich mich mit RTS Rieger Team auf andere Art beschäftige als im täglichen Geschäftsführer-Business. Mir ist inzwischen klar geworden, dass in der Agentur noch viel mehr vom Spirit ihres Gründers steckt, als man vielleicht erwarten würde. Sie ist über all die Jahre beweglich geblieben und offen für Neues. Sie hört nicht auf zu lernen, an sich zu arbeiten, besser zu werden. Sie ist nie so ganz mit sich zufrieden. Sie kooperiert, kollaboriert, vernetzt und verknüpft sich konsequent. Sie hat sich einen Lebenstraum von Franz Rieger erfüllt und gehört einem internationalen Network an. Sie spricht neben Deutsch ziemlich viele Sprachen und kann mittlerweile insgesamt ganz gut Englisch. Sie trägt Konflikte mit Menschen offen und ehrlich aus, vor allem mit denen, die bei ihr scheitern. Trotzdem ist sie ein Menschenfreund. Sie geht pragmatisch an ihre Aufgaben ran und legt nach wie vor wenig Wert auf Äußerlichkeiten. Sie denkt täglich über den eigenen Tellerrand hinaus und ­bewegt deshalb viel mehr als nur das eigene Geschäft. Und sie kann unheimlich hart feiern. Außerdem hat sie eine Haltung. Eine klare Einstellung zu dem, was sie tut. Nicht unbedingt einen eigenen Stil, an dem man sie erkennt. Aber ein Niveau, aus dem man schließen kann, dass sie der Urheber sein muss. RTS ­Rieger Team will nach wie vor für seine Kunden einfach sein, was oft das Schwierigste ist. Wir wollen schwierige Themen auf den Punkt bringen, das Essenzielle herausarbeiten. Unsere Arbeiten sollen plakativ, attraktiv und überraschend sein. Beurteilen Sie selbst in diesem Heft, ob uns das gelingt und wie viel Sie von diesen Ansprüchen wiederfinden.




Wir haben monatelang im Archiv gestöbert, um eine Auswahl von Arbeiten aus jedem der letzten fünf Jahrzehnte für unsere Werkschau zu finden. Gar nicht so einfach! Und teilweise sehr grob gepixelt. Aber so war das halt damals …
viel Spaß beim Stöbern!

50 Jahre RTS

AUTOR / JÖRG DAMBACHER