Warum Produkte nicht mehr sterben (müssen)

Über die großen Herausforderungen und Chancen einer modernen Industrie 4.0
\\ March 27, 2015

\\ B2B 01/2015

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HORST HECKHORN IST BUSINESS DEVELOPMENT EXECUTIVE BEI DER CENIT AG. WIR HABEN UNS MIT IHM GETROFFEN UND ER HAT UNS ERZÄHLT, WAS INDUSTRIE 4.0 EIGENTLICH IST – UND WARUM DIE GESELLSCHAFT UMDENKEN MUSS.

Überall liest man von der Industrie 4.0.

Was ist das denn genau?

(HH) Ich könnte jetzt hochgradig wissenschaftliche Definitionen aufzählen, die sich keiner merken kann. Aber ich fasse es in einem Satz zusammen. Es ist ein Konzept zur Sicherung des Produktionsstandorts Deutschland.

Inwieweit ist denn die CENIT AG von dem Konzept Industrie 4.0 betroffen?

(HH) Die Mission der CENIT AG ist, unsere Kunden wettbewerbsfähiger zu machen. Industrie 4.0 bedeutet, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen noch weiter zu steigern, um sie international vorne zu halten. Das haben wir uns für unsere Kunden zum Ziel gesetzt.

Bei Industrie 4.0 spricht man auch von „intelligenter Fabrik“.

Welche Unternehmen betrifft das?

(HH) Das betrifft Unternehmen, die heute bereits in einem globalen Wettbewerb stehen und sich um die möglichst effiziente Nutzung von Ressourcen bemühen. Es gibt fantastische Ansatz- punkte aus dem Konzept 4.0. Geschäftsprozesse werden nicht mehr nur über die allmächtige SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) gesteuert. Industrie 4.0 baut auf durchgängig intelligenten Komponenten auf, alles wird SMART. Da spielt nicht nur die intelligente Fabrik eine Rolle, sondern auch intelligente Gebäude, intelligente Mobilitätslösungen, intelligente Produkte und so weiter.

 

„Industrie 4.0 bedeutet, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen noch weiter zu steigern, um sie international vorne zu halten.“

 

Was ist ein „intelligentes Produkt“?

(HH) Ein intelligentes Produkt ist ein Produkt, das zum Beispiel mittels eines Chips der Maschine direkt kommunizieren kann, welcher Arbeitsschritt notwendig ist, ohne dass die zentrale Steuerung diesen Schritt vorherbestimmen muss. Der Fokus verlagert sich vom Steuern aufs Regeln. Regeln ist viel intelligenter als steuern und natürlich auch anspruchsvoller. Genau das sind die großen Herausforderungen und Chancen einer modernen Industrie. Wer das beherrscht, der hat die Nase vorn im globalen Wettbewerb.

 

Die CENIT AG bietet „Product Lifecycle Management“ an. Was ist das?

(HH) Es ist die Idee, ein Produkt von der ersten Minute bis zur letzten zu begleiten. In modernen Szenarien reden wir nicht mehr nur über Recycling, sondern über Upcycling. Produkte sterben nicht mehr, sondern werden so konstruiert, dass man sie zu 80 % wiederverwenden kann. Durch das Uplift werden sie den modernen Herausforderungen angepasst. Wir haben also nicht mehr den klassischen Produktentstehungsprozess, der mit der Idee anfängt und mit der Verschrottung endet. Wir bekommen geschlossene Loops, in denen ein Produkt ewig lebt. Durch diese lebenslange Begleitung wird das Product Lifecycle Management vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Hat der veränderte Lebenszyklus von Produkten Auswirkungen auf unsere Gesellschaft?

(HH) Auf der einen Seite haben wir eine Wegwerfgesellschaft und auf der anderen einen Gegentrend: die Ressourceneffizienz. Immer mehr Menschen verstehen, dass wir auf einem Planeten leben, auf dem es viele Dinge nicht in unbegrenzter Menge gibt.

 

„Industrie 4.0 baut auf durchgängig intelligenten Komponenten auf, alles wird SMART“

 

Wie ist die Resonanz der Unternehmen auf das sich gesellschaftlich verändernde Bewusstsein?

(HH) Mein Eindruck ist, dass wir momentan unglaublich viele Suchende haben. Es ist angekommen, dass sich was ändern muss. Aber viele haben große Orientierungsschwierigkeiten. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, denen zu helfen, die suchen und Orientierungsschwierigkeiten haben. Genau da stecken alle diese Ansätze auch von unserer Seite mit drin. Es ist wichtig, einen Unterschied zwischen komplex und kompliziert zu machen.

Horst Heckhorn
Vita
\ Horst Heckhorn
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Horst Heckhorn, Dipl.-Wirt.-Ing. (FH), arbeitet seit 25 Jahren bei der CENIT AG. Seit 20 Jahren ist er dort in verschiedenen Managementpositionen im Bereich technisches Daten-Management, PDM-/PLM- Prozesse und -Technologien tätig. Von 2000 bis 2014 war er Direktor der SAP Business Unit, von 2006 bis 2009 CEO der CENIT Amerika in Detroit und seit Januar 2014 ist er Business Development Executive.

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INTERVIEWERIN \ Laura Esser