Präzision ist alles!

Der Stuttgarter Fotograf Maks Richter hat sich vor allem in den Bereichen People/Portrait und Transportation sowohl bei nationalen als auch internationalen Kunden einen sehr guten Ruf erarbeitet. Im Interview preist er die Vorzüge der digitalen Fotografie, ohne den Lehrgehalt der analogen Schule zu schmälern.

Digitalfotografie hat eine ganz neue Welt eröffnet.Hat der Wechsel von Analog zu Digital auch die Motivwahl beeinflusst oder sogar weiterentwickelt? MAKS_ Grundsätzlich hat sich durch die Digitalfotografie einiges verändert. In den Anfängen weniger als heute. Die Digitaltechnik ist mittlerweile auf einem...

B2B_Magazin_02_2016_S_20Digitalfotografie hat eine ganz neue Welt eröffnet.Hat der Wechsel von Analog zu Digital auch die Motivwahl beeinflusst oder sogar weiterentwickelt?

MAKS_ Grundsätzlich hat sich durch die Digitalfotografie einiges verändert. In den Anfängen weniger als heute. Die Digitaltechnik ist mittlerweile auf einem solch hohen Niveau angekommen, dass sie der Analogfotografie überlegen ist. Ich kann heute extreme Lichtsituationen in meine Aufnahmen mit einbeziehen, die bei der Weiterverarbeitung gut umsetzbar sind. In analogen Zeiten war dies schlicht nicht möglich. Der Belichtungsumfang hat deutlich an Dynamik gewonnen. Das beeinflusst auf jeden Fall meine Motivwahl.

Haben sich durch die digitale Fotografie die Ansprüche und Anfragen der Kunden verändert?

MAKS_ Auch hier gibt es große Veränderungen. Kunden planen bewusst oder unbewusst weniger Zeit für das Fertigstellen des Bildmaterials. Viele denken, wenn eine Produktion im Kasten ist, braucht man diese lediglich auf ein Speichermedium transferieren und fertig ist der Job.
Von der Bildauswahl bis hin zur Ausarbeitung der Motive braucht man jedoch nach wie vor genügend Zeit, um eine hohe Qualität abliefern zu können.

Gibt es Branchen oder Bereiche, die explizit eher mit
klassischen Motiven arbeiten?


MAKS_ Ganz unterschiedlich, behaupte ich. Manche Magazine wählen eher einen klassischen Fotostil, aber auch in der Werbung ist dieser Stil immer wieder gefragt.

Lässt sich mit einer digitalen Kamera ein analoges Bild
perfekt simulieren?


MAKS_ Mit ausreichend Nachbearbeitung würde ich sagen – ja.

Wann ist ein Bild noch authentisch? Und sind authentische
Bilder noch gefragt?


MAKS_ Durch das ständige Manipulieren der Fotos mittels einfach zu hand-
habender Filter, wie es zum Beispiel auch jeder Amateur mit seinem Smartphone kann, werden authentische gute Fotos immer gefragter sein. Authentisch ist ein Bild dann, wenn es ohne große Veränderungen auskommt. Hierbei ist es völlig egal, ob dies analog oder digital geschieht. Auch in den analogen Zeiten wurden Bilder zum Teil extrem verändert, sodass sie nicht mehr authentisch waren.

Ist die digitale Bildbearbeitung Fluch oder Segen?

MAKS_ Ich habe Analogfotografie von der Pike auf erlernt. Mit der Digitalfotografie habe ich noch mehr Möglichkeiten dazubekommen, meine Ideen zu verwirklichen. Durch meine analogen Erfahrungen kann ich in der digitalen Bildbearbeitung mit einem größeren Verständnis an meine Aufgaben rangehen. Für mich ist es ein Segen. Es verhält sich aber im Allgemeinen eher wie mit dem Schießpulver. Man kann viel Gutes damit tun, aber leider auch erhebliche Schäden anrichten.

Wann lohnt sich der Aufwand der digitalen Nachbear-
beitung? Wann muss das Bild einfach stimmen?


MAKS_ Das hängt wirklich ganz von der Aufgabenstellung ab.

Alles muss schneller und effizienter werden – rentieren
sich „große Shootings“ überhaupt noch?


MAKS_ Große Shootings lohnen sich immer dann, wenn etwas Besonderes gefordert ist. Heute besteht doch die Gefahr, in der großen Masse der täglich produzierten Bilder einfach unterzugehen.

Muss man mit Digitalkameras die
gleichen handwerklichen Grundlagen besitzen wie mit analogen
oder bleibt im digitalen Zeitalter
die „Handwerkskunst“ auf der Strecke?


MAKS_ Bei der Analogfotografie habe ich gelernt, präzise zu arbeiten. Man konnte einfach nicht beliebig oft auf den Auslöser drücken. Filmmaterial und Entwicklung waren kostspielig und Budgets gab es damals auch. In meinem
eigenen Fotolabor habe ich unglaublich viel an Tricks und Kniffen gelernt. Davon profitiere ich jeden Tag in meinem Berufsleben. Die „alte“ Handwerkskunst hat nach wie vor ihren Bestand.

Wird der künstlerische Aspekt mit
digitalen Kameras verstärkt oder
erweitert?


MAKS_ Die Ausarbeitungsmöglichkeiten haben sich stark erweitert, das kommt der Kunst zugute.

Facebook-Memes haben mittlerweile eigene Ausstellungen. Ist
das Kunst oder muss das weg?


MAKS_ Das lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Hier gibt es natürlich auch einen künstlerischen Anspruch. Für mich ist dies aber nicht vergleichbar mit großen Kunstwerken, die auch handwerklich gut gemacht sind.

Arbeitest du noch gelegentlich
mit analogen Apparaten oder hast
du das mittlerweile verlernt?


MAKS_ Ich besitze noch analoge Geräte, schätze diese auch sehr. Leider ist heute von Seiten der Filmhersteller nicht mehr so viel verfügbar. Beruflich macht für mich die Digitalfotografie mehr Sinn.

interviewer \ Michael Edele