Häschtäg, Alter!

\\ October 20, 2016

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\\ B2B 02/2016

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Liebe Wodka-Club-Mate-Nuckler, Veggie-Burger-Würger und Bullshit-Bingo-Poster, wenn einer dafür prädestiniert ist, über „Old School Communication“ zu sinnieren, dann ja wohl ich! Old Sack plaudert mal ein bisschen aus dem eingestaubten Kreativ-Nähkästchen. Früher war alles besser? Blödsinn! Früher war vieles anders. Langsamer....

B2B_Magazin_02_2016_S_11


Liebe Wodka-Club-Mate-Nuckler, Veggie-Burger-Würger und Bullshit-Bingo-Poster,

wenn einer dafür prädestiniert ist, über „Old School Communication“ zu sinnieren, dann ja wohl ich! Old Sack plaudert mal ein bisschen aus dem eingestaubten Kreativ-Nähkästchen.

Früher war alles besser? Blödsinn! Früher war vieles anders. Langsamer. Umständlicher. Mühsamer. Aber keinesfalls einfacher und besser. Internet? Hing noch als digitale Larve in den Labors des Pentagons. Smartphone? Steve Jobs zeigte damals Apple zwischenzeitlich den gestreckten Mittelfinger und war noch meilenweit entfernt von Touchscreens und Apps.

Der Vorteil: Auf der Fahrt zum Kunden hatte man noch richtig Zeit, gemeinsam Ideen zu spinnen, ohne ständig mobil malträtiert zu werden: „Herr Haug, angesichts Ihrer jüngsten Entwürfe hat mich unser Vertriebsleiter ernsthaft gefragt, ob es sich unser Unternehmen denn weiter leisten möchte, den Champagner- und Marihuana-Konsum in Ihrer Agentur zu subventionieren.“

Bilder entstanden im Kopf und nicht erst nach Eingabe von Begriffen wie „Genuss“, „Qualität“ oder „Industrie 4.0“ in die Suchmaske von Getty Images. Okay, manchmal half es auch, die „Bild“ durchzublättern. Oder sich in der Buchhandlung (so hieß Amazon damals) den Bildband eines angesagten (Old-School-Synonym für hippen) Fotografen (heute CGI-Operator) zu besorgen. Oder sich einfach mal in die Pils-Bar um die Ecke zu setzen und den Handwerkern beim Feierabendbier aufs Maul zu schauen.

Tja, liebe Digital Naives (ich kaufe kein „t“), da habt ihr’s doch verdammt viel einfacher. Möchte man meinen. Ist aber bei weitem nicht so. Denn wann um Zuckerbergs willen wollt ihr Zeit für eigene Ideen finden, wenn ihr permanent mit der verbalen und visuellen Verunreinigung eurer Snapchat-, Facebook-, Twitter-, Instagram-, Pinterest-, Xing- und LinkedIn-Accounts beschäftigt seid? Bei der Jagd auf Pokémons? Oder wenn ihr euch an der Starbucks-Kasse mal wieder nicht entscheiden könnt, ob ihr euren Iced Caramel Macchiatto in tall, grande oder venti haben wollt?

„Ok, buckliger Silberrücken“, denkt ihr euch jetzt, „in nicht allzu ferner Zukunft werden wir ein paar deiner lächerlichen Bleistift-Ideenscribbles aus den alten Leitz-Ordnern im Archiv ziehen und voll analoge Papierflieger daraus basteln. Und dagegen wirst du dann rein gar nichts mehr einwenden können.“

Stimmt leider. Also vergesst alles, was meine zittrigen Finger aus den altersverwirrten Windungen meines Resthirns in die Tastatur meines MacBooks gehackt haben. Genauso wie ich damals als Junior auf das Gute-alte-Zeit-Geblubbere meiner Seniors gepfiffen habe. Einer Zeit, in der angeblich jeder Vollpfosten im goldenen Lambo durch die Toskana gebrettert ist, während ein paar Grafik-Praktikantinnen im mit Dom Perignon gefüllten Terrakotta-Jacuzzi seiner 16-Zimmer-Villa auf ihn warteten.

Was ich eigentlich nur loswerden wollte: Letztendlich kommt es nach wie vor nur auf eins an – diese eine (Häschtäg) geile-Scheiß-Idee zu haben!

Bis dann in alter Frische
Ekke