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B2B Magazin 02.2014

51 Wir waren frei und wussten Bescheid. Dachten wir. 200 Sender und ein Internet später war klar: Freiheit ist was anderes. Alles. Für alle. Von allen. Überall. Wo es vor 20 Jahren noch schwer war, am Samstagnachmittag noch ein Hanuta zu organisieren, kann sich der befreite Mensch heute online die gebrauchte Unterhose eines einbeinigen zwielichtigen anderen Menschen von irgendwoher nach Hause liefern lassen (in ein bis drei Werktagen). Jetzt erst verstehen wir: Nichts ist unmööööglich! Und da war sie geboren, die omnipotente Multioption. Zögling einer gierigen Gesellschaft und Mutter aller Sorgen zugleich. Nach Einführung der Frühstückscerealie begann die Ära der Verwirrung. Heute stehen Tausende ratlos vor einer Armada von Joghurts, die Gutes versprechen. Abwehrkräfte steigernd, linksdrehend, rechts- drehend, mit Cerealien, mit Liebe (?), ohne Zusatzstoffe, ohne Fett, ohne Geschmack, ohne Scharf, echtes Bio, falsches Bio, umweltfreundlich verpackt oder in einem Plastikbecher, der Krebs verursacht und im Sonderangebot ist, aber morgen schon abläuft. Da muss das Hirn schon arbeiten, bis es uns mit einer Entscheidung überrascht. Zwischenfazit: Seit es Cerealien gibt, knirscht jeder zehnte Deutsche nachts mit den Zähnen. Gefachsimpelt und gesimplified: Mit einem großen Seufzer stellen Wissenschaftler und Ärzte eine chronische Verkomplizierung der Gesellschaft fest. Zähneknirschend geben wir zu: Freiheit ist eine Bürde. Und so keimt nach und nach ein kleiner großer Wunsch in unserer modernen Gesellschaft: „Alles soll einfacher werden.“ Das wird es aber nicht, liebe Mitbürger. Denn wer wählen will, muss sich quälen. Das wusste man schon vor Frank Elstner. Die Welt wird nicht einfacher, aber die netten Leute aus der Werbung machen, dass du denkst, es wäre einfach und es gäbe ohnehin nur die eine richtige Entscheidung. In diesem Sinne: Das Auto. Äh, der Autor. Autor \ Stefanie Walkenfort Wir blicken nicht mehr durch, aber dafür können wir jetzt prima googeln. Laut Wikipedia nahm Duden das Verb „googeln“ 2004 in die 23. Auflage auf. Markentechnisch besser als jeder Claim. Nach einer Studie der DAT ist der VW-Claim lediglich bei 45 % der Autofahrer bekannt. Quelle: auto motor und sport

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