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B2B Magazin 02.2014

21 WEBSITE _ www.torbeneskerod.com sah, war das für mich schmerzlich. Ich wollte einen besonderen, völlig farblosen Tag dokumentieren und hier waren diese gan- zen Grün-, Gelb-, Rot- und Blautöne (abgebildet auf Seite 14–15). Also ja, das sind sehr einfache Bilder, aber sie sind auch kom- plex, indem sie das Thema der Bewahrung von Erinnerungen behandeln und die Rolle der Fotografie als „truth medium“ – also als Wahrheitsmedium – in Frage stellen. Wenn man ein Foto schießt, tut man es normalerweise, weil man einen Moment festhalten will. Diese Fotos aber stimmen nicht mit meiner Erinnerung an diesen Tag überein. Also für mich sind sie auch eine Meditation über den Verlauf der Zeit. Denken Sie, dass die Art und Weise, wie ein Foto aufgenommen wurde, auch eine zusätzliche Bedeutungsschicht sein kann? TE_ Das Medium sollte eigentlich keine Rolle spielen, aber das tut es. Ich glaube, in der Welt der Werbung kann man mit Low- tech den Kunden signalisieren, dass sie deiner Botschaft glau- ben können. Wahrscheinlich ist das Teil der Gegenbewegung weg von „Fakes“. Und in der Kunstwelt spielt die Entstehung eines Fotos eine ungeheuer große Rolle – denn der Gallerist kann es zu einem Teil einer zusammenhängenden Geschichte machen. Kann die Bedeutung eines Fotos sich mit der Zeit verändern? TE_ Ja, das sieht man zum Beispiel in meiner Campo-Verano-Serie (abgebildet auf Seite 12–13). Diese Fotos wurden aufgenommen, als die Porträtierten noch lebten. Diese wurden von den Ange­hörigen auf den Grabsteinen platziert, was später bei der Erinnerung hel- fen sollte. Aber genau wie unsere Erinnerungen an Personen sich mit der Zeit verändern, tun es die Porträts auch. Diese Fotos haben also eine neue Schicht an Bedeutung gewonnen: Sie zeigen uns den veränderbaren Charakter einer Erinnerung und zwingen uns, über das Leben, die Liebe, den Verlust, die Fragilität und die Un- sterblichkeit nachzudenken. Das ist es, was für mich ein gutes Bild ausmacht – es muss jedes Mal eine neue Bedeutung haben und mir etwas Neues zum Reflektieren geben. Wurden Ihre Werke mit der Zeit eher einfacher oder komplexer? TE_ Ich würde sagen, sowohl als auch. Ich habe mich Richtung Einfachheit bewegt und subtrahiere innerhalb meiner Bilder. Ich will kein Fancy-Smile, keine gute Beleuchtung, keinen schicken Haarstil und kein perfektes Make-up. Ich entferne diese Sachen, um die Person zu sehen. Denn so produziert man ein viel interessanteres Porträt. Diese Subtraktion aber macht das Werk viel komplexer. Kann ein Foto zu komplex sein? TE_ Ich glaube, ja. Ich sehe das oft, besonders in der Werbung. So viele Fotos im Werbebereich sind viel zu komplex und überfluten den Betrachter mit Botschaften. Und ich glaube, es ist ein Fehler, solch komplexe Fotos zu machen. Jeden Tag werden die Leute mit so vielen Bildern konfrontiert. Wenn man ihre Aufmerksamkeit nicht innerhalb von Sekunden gewinnt, schauen sie weiter. Wie kann man komplexe Produkte einfach präsentieren? Haben Sie eine „Spezialformel“? TE_ Um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen, muss man eine Ebene tiefer gehen: zu den Emotionen. Statt ein Produkt mitsamt den ganzen Features zu zeigen, zeige ich viel lieber ein universelles Gefühl, das vermittelt, was das Produkt bringt. Ich arbeite regelmäßig für einen dänischen Hersteller von Dachfenstern. Für diesen Kunden wäre es naheliegend, Fenster zu zeigen – aber das machen wir nicht. Viele unserer Fotos zeigen überhaupt keine Fenster. Stattdessen zeigen sie Licht. Weil es nicht das Produkt ist, sondern das, was es bewirkt, was die Emotionen anspricht. INTERVIEWER \ Diana Mangold VITA LEBENSLAUF _ Torben Eskerod wurde 1960 geboren und studierte an der Aalborg University, der Aarhus School of Architec- ture und der Fatamorgana School of Photography. Bekannt ist er vor allem für seine Porträt-Serien wie Equivalence (1995), Cassadaga (2000), Register – Life and Death Masks (2001), Friends and Strangers (2006) und Campo Verano (2008). Er wohnt und arbeitet in Kopenhagen. AUSSTELLUNGEN (Auszug)_National Portrait Gal- lery in London, Scottish National Portrait Gallery in Edinburgh, Andy Warhol Museum in Pittsburgh, Museum of Modern Art in Moskau, Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen, Overgaden Institut for samtidskunst in Kopenhagen, Blue Sky Gallery in Portland, Peter Lav Gallery in Kopenhagen, Yossi Milo Gallery in New York, Bildkultur in Stuttgart. NEUERSCHEINUNGEN_Marselis and Can Lis – Conversation with a House. Beides vom Kehrer Verlag, 2014. REPRÄSENTIERT VON_ Peter Lav Gallery, Kopenhagen: http://plgallery.dk

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