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B2B Magazin 02.2014 - Ansicht: Im Interview mit Titelfotograf Torben Eskerod

20 ansichten „DURCH SUBTRAKTION WIRD DAS WERK VIEL KOMPLEXER.“ Der dänische Fotograf Torben Eskerod über das Zusammenspiel von Einfachheit und Komplexität in der Fotografie. Welche zusätzliche Ebene? TE_ Während der Konsekration bekommt jede lutherische Schwester einen Bibel-Vers, den sie dreimal am Tag während des Gebets aufsagen soll. Also habe ich mich gefragt: Gibt es eine Verbin- dung zwischen den Versen, die die Schwestern jeden Tag ihres Lebens aufgesagt haben, und deren Gesichtern? Zwischen dem Äußeren – also der Architektur des Gesichts – und dem Inneren? Und es hat sich bei jeder der Schwestern herausgestellt, dass es eine gibt. Dieses Wissen bringt eine zusätzliche Bedeutungs- ebene: die Tatsache, dass ihre Rolle als Diener Gottes und ihre tiefe Verbindung zu diesen Versen das Dasein der Schwestern transformiert hat. Interessant an diesem Werk ist, dass ich die Porträts der Schwestern aufgenommen habe, bevor sie ihre Verse mit mir geteilt haben – also sind das keine Illustrationen der Verse. Stattdessen reflektieren die Porträts das ganze Dasein dieser Personen. Und in diesem Werk habe ich etwas gefunden, was ich seitdem in meinen Werken immer wieder untersuche: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Äußeren und dem Inneren? Und gibt es etwas, was über das Bild hinausgeht? Viele Ihrer Fotos, wie zum Beispiel in der Marselis-Serie, wirken sehr einfach – bis man die Hintergrundgeschichte erfährt. TE_ Ja, genau. Diese Fotos wurden an einem winterlichen Tag auf- genommen, wie er sich selten ereignet: Der Nebel zieht sich vom Ozean über die ganze Landschaft und färbt alles schwarz- weiß. Ich wollte diesen monochromen Moment festhalten – habe aber zufälligerweise Filmmaterial erwischt, das vor 20, 30 und sogar 40 Jahren abgelaufen war. Als ich die Ergebnisse Welche Rolle spielen Einfachheit und Komplexität in Ihrer Arbeit? TE_ Meine Arbeiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf den ersten Blick sehr einfach sind, aber viele komplexe Ebenen beinhalten. Das können die Hintergrundgeschichte, das Kon- zept oder die vielen möglichen Interpretationen sein. Ein gutes Beispiel ist mein Erstlingswerk, die Prayer-Serie (abgebildet auf Seite 16–17), die aus Porträts von vier lutherischen Schwes- tern besteht. Auf der einen Seite sind das sehr einfache Porträts mit natürlichem Licht: einfach eine Person, die in die Kamera schaut und einen bestimmten Gesichtsausdruck hat. Aber auf der anderen Seite haben diese Fotos eine zusätzliche Bedeutungsebene.

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